Wärmepumpentag 2025
Ein voller Erfolg: Der erste Velberter Wärmepumpentag
Der erste Velberter Wärmepumpentag am 15. November 2025 war ein voller Erfolg und lockte über 160 Besucherinnen und Besucher in unsere Veranstaltung. Einen ganzen Tag lang stand die Wärmepumpe – das Herzstück moderner, nachhaltiger Heiztechnik – im Mittelpunkt.
Große Begeisterung gab es für die vielseitigen Fachvorträge aus, darunter auch der Vortrag des ARD-Moderators und Wissenschaftsjournalisten Thomas Ranft, der mit fundiertem Wissen und anschaulichen Einblicken überzeugte. In der begleitenden Ausstellung konnten die Gäste innovative Lösungen entdecken und sich direkt mit Expertinnen und Experten austauschen.
Für das leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt, sodass viele Teilnehmende die Gelegenheit nutzten, sich in entspannter Atmosphäre weiter auszutauschen.
Die Präsentationen der Fachvorträge haben wir Ihnen hier zusammengestellt.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Besuchenden, Mitwirkenden und Partnern!
Tobias Grau und Saša Vasković
Geschäftsführung Stadtwerke Velbert
Fachvorträge
Keynote von Thomas Ranft (ARD-Moderator und Wissenschaftsjournalist für Klimawandel & Wetter, Energie, Nachhaltigkeit & Mobilität) zum Thema Klima- und Energiewende
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Impulsvortrag "Was bedeutet die Wärmewende und Kommunale Wärmeplanung?"
Redner: Matthias Goebel | Bundesverband Kalte Wärmenetze e.V.
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Impulsvortrag: "Wärmepumpe 2025: Mythen und Technik kompakt"
Redner: Sven Kersten | Bundesverband Wärmepumpe e.V.
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Impulsvortrag: "Altbau, Schornstein, hydraulischer Abgleich und Umfeldmaßnahmen – Bestandsertüchtigung von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpen"
Redner: Daniel Guiliani | WOBAU - Wohnungsbaugesellschaft Velbert mbH
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Impulsvortrag: "Energetische Sanierung eines Einfamilienhauses mit Wärmepumpe"
Redner: Heiko Zündorf | Velberter Bürger
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Impulsvortrag: "Von Zuschuss bis Kredit: So gelingt die Finanzierung Ihrer Wärmepumpe!"
Redner: Anna Zoschke und Daniel Bertling | Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert
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Videos
Video: Begrüßung durch die Geschäftsführung der Stadtwerke Velbert
Video-Transkript
Saša Vasković: Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, auch ich darf Sie recht herzlich hier begrüßen bei uns in Velbert. Schön, dass wir so viel Anklang gefunden haben. Schön, dass Sie da sind.
Als wir im Spätsommer die Idee zu diesem Tag geboren haben, konnten wir zwei Dinge noch nicht wissen. Das nämlich erstens heute so wunderbares Wärmepumpenwetter ist. Ich habe es gerade gesagt. Und das zweite, dass wir wirklich eine so große Resonanz haben mit diesem Thema, was uns unglaublich freut, weil es einfach zeigt, dass das Thema Wärmeversorgung der Zukunft keines mehr ist. Das ist über eine ganze Weile schon ein spannendes Thema für uns als Stattwerke, auch unter Energieversorgern ist das ein Thema, ich werde auch gleich im Beispiel bringen, warum das so eine große Tragweite und Relevanz hat, sondern mir zeigt das beim Blick in die vielen Gesichter, die hier anwesend sind, dass es inzwischen in der Mitte der Bevölkerung der Gesellschaft angekommen ist, dieses Thema und das ist ganz wichtig, weil es eben kein Thema ist, was irgendjemand zentral löst, was wozu einer eine Lösung hat, die dann ganz einfach anzuwenden ist, sondern es wird ganz viel auch mit Aufklärung, mit Informationen zu tun haben, sich mit dem Thema beschäftigen und das freut uns unglaublich, das ist auch genau die große Überschrift dieses heutigen Tages, Informationen zu liefern, vielleicht auch den einen oder anderen Vorbehalt, Berührungsängste abzubauen, auch vielleicht kritisch zu diskutieren, ob denn diese Wärmepumpe, die dem Tag heute die Überschrift gibt, in allen Fällen die Lösung ist. Ganz ohne Zweifel und das darf ich vorwegnehmen, wird sich eine ganz wesentliche Rolle für die zukünftige Wärmeversorgung spielen.
Jetzt sind sie aus verschiedenen Städten, aber sicher auch viel aus Velbert angereist. Das kann man ganz schön sehen und veranschaulichen, wenn man sich die gegenwärtige Raumwärme Versorgung in Velbert anschaut. Wir haben rund 15 000 Gebäude hier in Velbert. Von diesen 15 000 Gebäuden werden 11000 durch Erdgas beheizt und rund 2700 mit Heizöl. Und daran erkennt man schon, dass die aktuelle Gesetzeslage, die ja vorsieht, dass solche konventionellen Heizungsmethoden spätestens in 2045, das klingt noch weit weg, ist aber in den Laufzeiten, die typischerweise so eine für Heizung anzusetzen sind, quasi übermorgen, dass 2045 diese konventionellen Heizungssysteme in der Form nicht mehr vertreten sein werden. Und das zeigt eben auch, warum wir uns mit dem Thema Wärmepumpe beschäftigen, und das freut uns wie gesagt umso mehr, dass Sie so zahlreich auch erschienen sind, um sich über das Thema zu informieren.
Wir heute einen bunten Mix haben. Durch den Tag führen wird uns der Markus Berghaus, den ich hier einmal kurz vorstellen möchte, gemeinsam mit dem Team der Stadtwerke hat er diesen Tag mit vorbereitet und wird sie jetzt durch die verschiedenen inhaltlichen und fachlichen Impulse führen. Markus, danke schön.
Video-Transkript anzeigen
Saša Vasković: Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, auch ich darf Sie recht herzlich hier begrüßen bei uns in Velbert. Schön, dass wir so viel Anklang gefunden haben. Schön, dass Sie da sind.
Als wir im Spätsommer die Idee zu diesem Tag geboren haben, konnten wir zwei Dinge noch nicht wissen. Das nämlich erstens heute so wunderbares Wärmepumpenwetter ist. Ich habe es gerade gesagt. Und das zweite, dass wir wirklich eine so große Resonanz haben mit diesem Thema, was uns unglaublich freut, weil es einfach zeigt, dass das Thema Wärmeversorgung der Zukunft keines mehr ist. Das ist über eine ganze Weile schon ein spannendes Thema für uns als Stattwerke, auch unter Energieversorgern ist das ein Thema, ich werde auch gleich im Beispiel bringen, warum das so eine große Tragweite und Relevanz hat, sondern mir zeigt das beim Blick in die vielen Gesichter, die hier anwesend sind, dass es inzwischen in der Mitte der Bevölkerung der Gesellschaft angekommen ist, dieses Thema und das ist ganz wichtig, weil es eben kein Thema ist, was irgendjemand zentral löst, was wozu einer eine Lösung hat, die dann ganz einfach anzuwenden ist, sondern es wird ganz viel auch mit Aufklärung, mit Informationen zu tun haben, sich mit dem Thema beschäftigen und das freut uns unglaublich, das ist auch genau die große Überschrift dieses heutigen Tages, Informationen zu liefern, vielleicht auch den einen oder anderen Vorbehalt, Berührungsängste abzubauen, auch vielleicht kritisch zu diskutieren, ob denn diese Wärmepumpe, die dem Tag heute die Überschrift gibt, in allen Fällen die Lösung ist. Ganz ohne Zweifel und das darf ich vorwegnehmen, wird sich eine ganz wesentliche Rolle für die zukünftige Wärmeversorgung spielen.
Jetzt sind sie aus verschiedenen Städten, aber sicher auch viel aus Velbert angereist. Das kann man ganz schön sehen und veranschaulichen, wenn man sich die gegenwärtige Raumwärme Versorgung in Velbert anschaut. Wir haben rund 15 000 Gebäude hier in Velbert. Von diesen 15 000 Gebäuden werden 11000 durch Erdgas beheizt und rund 2700 mit Heizöl. Und daran erkennt man schon, dass die aktuelle Gesetzeslage, die ja vorsieht, dass solche konventionellen Heizungsmethoden spätestens in 2045, das klingt noch weit weg, ist aber in den Laufzeiten, die typischerweise so eine für Heizung anzusetzen sind, quasi übermorgen, dass 2045 diese konventionellen Heizungssysteme in der Form nicht mehr vertreten sein werden. Und das zeigt eben auch, warum wir uns mit dem Thema Wärmepumpe beschäftigen, und das freut uns wie gesagt umso mehr, dass Sie so zahlreich auch erschienen sind, um sich über das Thema zu informieren.
Wir heute einen bunten Mix haben. Durch den Tag führen wird uns der Markus Berghaus, den ich hier einmal kurz vorstellen möchte, gemeinsam mit dem Team der Stadtwerke hat er diesen Tag mit vorbereitet und wird sie jetzt durch die verschiedenen inhaltlichen und fachlichen Impulse führen. Markus, danke schön.
Video: Keynote von Thomas Ranft
Video-Transkript
Thomas Ranft: Ja, danke schön. Toll, dass Sie hier sind. Ich hoffe, Sie haben alle einen Stift dabei, denn ich bin der Chefwärmepumpenverkäufer der Stadtwerke Velbert. Also: Wir werden die Tür gleich schließen, und dann gibt’s kein Entkommen für Sie. Das war der erste Plan. Noch lachen Sie.
Mein Plan ist ja, dass ich Ihnen erst mal ordentlich schlechte Laune abliefere – und dass ich Ihnen dann sage, dass Sie die Welt retten. Wobei man sich ja schon fragen kann: Was macht denn jetzt hier der Wetterfuzzi? Was will der mir denn zu Wärmepumpen erzählen?
Und mal ganz ehrlich: Wenn wir bei so einem grauen, nicht vergnügungssteuerpflichtigen Wetter jemanden vorne auf die Bühne stellen – oder quasi hier vorne vor Sie stellen – der was zum Klima erzählt, das jetzt auch wenig spaßig ist: Ob das so eine gute Entscheidung war, Herr Berghaus, ich weiß es nicht. Aber es ist trotzdem schön, dass Sie da sind. Sie haben sich trotzdem hierher gekämpft.
Und dann muss ich mich fragen: Das bedeutet, das Thema ist Ihnen nicht egal. Also: Ich fürchte fast, ich trage Eulen nach Athen. Ja, weil Sie sind hier quasi die Koalition der Willigen. Die gibt’s ja … ist doch so, oder?
Wer von Ihnen findet Wärmepumpen doof? Damit ich mal ganz kurz weiß … Also, Sie finden es doof. So, okay, alles klar. Das ist gut, dass Sie mitmachen. Nein, das ist auch völlig … das ist perfekt.
Ich würde ganz gerne erst mal sagen, warum wir überhaupt darüber reden. Äh, weil wir haben da so ein … also, die ganz grundsätzliche Sache ist: Wir haben da so ein Klimading. Vielleicht haben Sie’s nicht so mitbekommen, ne? Kann ich verstehen: Nachrichten gucken ist selten spaßig, weil man dann immer so runtergezogen wird.
Es gibt ja Menschen, die schon sehr lange keine Nachrichten mehr verfolgen. Es gibt auch Menschen, die haben von Elon M. diesen 30-jährigen Marsurlaub geschenkt bekommen – wenn Sie dazu gehören: Ganz kurz erklärt, da geht’s um diesen Klimawandel.
Das sieht so aus: Das ist also hier die Erde, da leben wir eigentlich. Wenn Sie vom Mars kommen, sieht das ungefähr so aus – und dann wieder im Anflug quasi auf der Zielgeraden sieht’s so aus. Klimawandel: Das ist das, was in der Atmosphäre passiert. Können Sie die hier sehen? Nee. Wetterschicht. Ist zehn Kilometer dick. Das sehen Sie nicht. Ja, so wenig ist das, dass man denkt: immer total viel, was wir hier über uns haben – ist es eigentlich gar nicht.
Man nennt den Klimawandel übrigens auch den Treibhauseffekt. Vielleicht kennen Sie Treibhäuser, da wachsen die Tomaten besser. Vielleicht sind Sie aber auch eher aus der Wintergartenwelt. Oder Sie haben ein Auto ohne Klimaanlage und die Fenster gehen nicht auf. Dann haben Sie exakt den gleichen Effekt: Die Energie der Sonne – das ist Licht. Und wenn die Energie der Sonne, sprich das Licht, auf die Erde trifft, durch die Atmosphäre durchgeht, dann ist das der Atmosphäre erst mal total egal. Denn Sie können mit so viel Licht, wie Sie wollen, auf Luft schießen: Die wird nicht warm, da passiert gar nichts. Die Lichtwelle geht einfach durch.
Und dann kommt die Glasscheibe des Treibhauses – oder des Autos oder des Wintergartens. Und jetzt ist es spannend: Die Lichtwelle passt, sehr vereinfacht gesagt, zwischen den Glasmolekülen durch. Das heißt: Die geht da auch durch, und deswegen wird’s im Glashaus hell.
Aber natürlich wird die Luft immer noch nicht warm. Dann trifft die Lichtwelle auf Oberflächen, zum Beispiel auf den Boden. Und der absorbiert – in diesem Fall, weil er eher dunkel ist – einen nennenswerten Teil davon, nimmt also die Energie auf und wird dadurch wärmer. Und dann gibt er natürlich auch wieder Energie ab: Wärmestrahlung. Und wenn der jetzt nichts im Weg ist, geht die raus ins All – und dann haben wir ein Nullsummenspiel: Das, was reinkommt von der Sonne, geht auch wieder raus. Super.
Jetzt ist da aber dummerweise diese Glasscheibe. Und während die Lichtwelle zwischen den Glasmolekülen durchgepasst hat, hat die Wärmewelle eine andere Wellenlänge – die passt nicht mehr dazwischen. Deswegen wird die Wärme an der Glasscheibe reflektiert, und dann bleibt sie drin im Glashaus. Also: Licht der Sonne macht’s hell, und in der Folge wird’s warm.
Und jetzt nennt man das, was wir in der Atmosphäre erleben, deswegen auch Treibhauseffekt, weil – und das ist reine Physik – CO₂ wie ein paar andere Treibhausgase genau die richtige Größe haben. Wenn das Licht vorbeikommt, ist es ihm wurscht. Aber wenn die Wärmewelle vorbeikommt, dann absorbiert das CO₂ das. Dann nimmt das das auf und gibt es wieder selber ab – auch nach unten. Das heißt: Das, was normalerweise im All landen würde, bleibt zu einem Teil drin.
Konnten Sie mir soweit folgen? Es ist ja schließlich Wochenende, und Sie sind noch nicht so lange aus der Schule raus wie ich … aber jetzt Achtung, es kommt noch härter: Jetzt kommt Mathe erster Klasse.
Sie haben vielleicht manchmal auch diese Diskussion: Ich bekomme bis zum heutigen Tage lustige E-Mails, dass CO₂ nicht dafür verantwortlich ist und so was – und dass das ja total wenig CO₂ in der Atmosphäre sei. Das stimmt ja. Wir haben viel weniger CO₂ in der Atmosphäre als Sauerstoff oder Stickstoff oder so. Aber das ist total egal, weil jetzt kommt das mit der Mathe:
Wenn wir Zeug verbrennen und zusätzliches CO₂ in die Atmosphäre bringen, haben wir mehr CO₂ drin. Dann kann mehr „zurückgehalten“ werden, und dann wird’s natürlich wärmer. Das können Erstklässler hinkriegen. Das ist wirklich einfach.
Und als ich geboren wurde, hatten wir 311 parts per million CO₂ in der Atmosphäre. Jetzt sind wir deutlich über 400. Das heißt: Damals war es ein Viertel weniger … ein Viertel, Entschuldigung. Ich bin in Mathe auch nicht so gut gewesen, ich hab’s irgendwann abgewählt. Aber ich hab mir von Leuten, die sich damit auskennen, erklären lassen: Mit Mathe kannst du nicht diskutieren.
Gut. Ich bin in den Sechzigern geboren. Da war hier in der Region die weiße Wandfarbe noch nicht erfunden. Ich komme aus Recklinghausen – von daher: Ich weiß, wovon ich rede. Müssen wir doch mal ehrlich sein.
Also: Jetzt haben wir die Situation – es wird wärmer. Spüren Sie das schon? Gut, hier drin spüre ich es. Also, die Stadtwerke – da muss man sagen – die haben eine Superwärmepumpe hier auf allen Etagen richtig am … Ich bin reingekommen und hab gedacht: Das ist warm hier.
Spüren Sie die Erwärmung von … aktuell sind wir so bei roundabout 1,5 Grad. Wer von Ihnen fühlt’s? – Möchten Sie noch mal? Sie waren eben so schön dabei. Nee? Diesmal nicht? Sie haben auch recht. Ich glaube nicht, dass irgendjemand 1,5 Grad spüren kann.
Und das ist das elementare Problem von diesen ganzen Klimawissenschaftlern und deren Kommunikation. Seit Jahrzehnten machen die die dümmsten Aussagen, die man sich überhaupt vorstellen kann.
Denn wenn ich hier in Velbert in die Fußgängerzone gehe an einem Samstagvormittag, wo richtig viel los ist, und rufe in die Runde: „Wer hat Angst vor zwei Grad?“, dann meldet sich keiner. Wenn ich zu Leuten gehe und sage: „Pass auf, wenn wir zwei Grad Erwärmung haben, dann sterben wir alle“, dann denken die sich: „Du hast doch nicht alle. Zwei Grad am 15. November? Nimm ich – her damit! Dann brauche ich keine dicke Jacke.“
Zwei Grad: Das kapiert doch keiner, weil das so eine komische technische Größe ist. Wissenschaftler haben versucht, das irgendwo festzumachen, irgendeinen griffigen Begriff zu suchen – aber das ist der falsche. Warum passiert nichts? Weil keiner von den Normalmenschen, die nicht die ganze Zeit theoretische Physik machen, versteht, was das überhaupt bedeutet.
Aber Sie gehören jetzt gleich zum illustren Kreis, die verstehen werden, was Klimawandel tatsächlich ist. Oder wissen Sie’s schon? Nein? Also: Sie haben bisher auch gedacht „zwei Grad und die Welt geht unter“ – aber das ist ja falsch.
Sie bitte – Sie wollten sich eine neue Badehose kaufen. Das ist auch eine gute Idee, weil die Meeresspiegel steigen – dann schwimmen Sie demnächst. Nein, im Ernst:
Um es nachvollziehbar zu erklären: Stellen Sie sich vor, die Stadtwerke hätten vor 50 Jahren hier vor die Tür eine Temperaturmessstation gestellt. Eine ganz spezielle, die immer nur am 15. November die Höchsttemperatur misst. Seit 50 Jahren hätte man eine tolle Zeitreihe: die durchschnittliche Höchsttemperatur eines 15. November.
Und eines ist klar: In den vergangenen 50 Jahren gab es viele ganz durchschnittliche 15. November. Dann gab es ein paar, die waren echt kalt – da gab’s schon Schnee. Nicht ungewöhnlich Mitte November. Und dann gab’s ein paar so wie heute. Heute ist ja noch ganz schön warm, obwohl es da draußen … na ja.
Wenn Sie da eine Kurve drüber legen, sieht die aus wie so eine Glocke – eine sogenannte Normalverteilung. Was macht der Klimawandel? Der hebt die Glocke nicht einfach an, sondern er schiebt sie in Richtung warm. Können Sie das sehen?
Wir sehen also: Auch mit der Klimaerwärmung haben wir immer noch viel Durchschnittliches. Der Durchschnitt bleibt uns erhalten. Es gibt halt kaum noch „zu kalt“. Das Entscheidende ist: Sehen Sie, wie wenig Rot da vorher war – und wie viel es jetzt ist?
Anzahl der Hitzetage: Das ist keine Zunahme um 10, 20 oder 30 Prozent. Das ist eine Vervielfachung. Wir messen jetzt schon – obwohl der Klimawandel ja gerade erst so spürbar wird – eine Verdreifachung der Hitzetage über 30 Grad in Deutschland flächendeckend. Jetzt schon.
Und ich muss an dieser Stelle mal festhalten: Was ist die tödlichste Naturkatastrophe in Deutschland? Jeder denkt immer an Ahrtal. Da ist eine niedrige dreistellige Zahl an Menschen gestorben.
An Hitze sind in diesem Sommer – den ich gar nicht so spektakulär fand – in Deutschland nachweislich 2600 Menschen gestorben. Das hat keiner von uns auf dem Schirm. Das sind so viele Tote wie im Straßenverkehr, wo wir rote Ampeln haben, Airbags haben, uns anschnallen müssen, Tickets kriegen, wenn wir zu schnell fahren – wo wir alles tun, damit niemand stirbt. Bei Hitze sterben wir einfach weg, weil den meisten Menschen nicht klar ist, dass Hitze die tödlichste Naturkatastrophe ist. Weltweit betrachtet übrigens auch.
Das ist so – und das ist hässlich. Und es fängt ja gerade erst an. Und es funktioniert übrigens nicht nur bei Temperaturen, sondern auch bei anderen Extremwetterereignissen wie Starkregen. Den durchschnittlichen Regen wird’s auch in Zukunft noch geben, aber das, was vorher super selten war, wird jetzt häufiger. Und wenn Sie das sehen, dann ist das nicht, dass ich das irgendwie herleite mit irgendwelchen Klimamodellen oder so. Das ist reine Mathematik. Und mit der kann man nicht diskutieren. Wir können das nachweisen mit den Wetterdaten, mit den tatsächlichen Ereignissen: reine Mathematik.
Deswegen: Wenn Sie jetzt in Zukunft gefragt werden „Was bedeutet Klimawandel?“, dann antworten Sie wissenschaftlich hundertprozentig korrekt, wenn Sie sagen: Klimawandel ist eine extreme Zunahme von Extremen. Punkt. Das ist es. Und jedem, dem das Haus weggeschwommen ist, weiß: Das möchte ich nicht noch mal haben.
Meine Schwester wohnt in Bayern, in … da fließt die Paar vorbei. Das kennen Sie vielleicht noch: Anfang Juni letzten Jahres stand da Söder, Habeck und dieser – wie hieß dieser Bundeskanzler? – den vergisst man so schnell … standen da und haben sich quasi die braunen Fluten angeguckt, die auch durch das Erdgeschoss der Erdgeschosswohnung meiner Schwester geflossen sind.
Und weil der Nachbar noch eine Ölheizung hatte und der Tank nicht ganz dicht war, wohnt sie heute noch nicht wieder drin. Zwei der Nachbarhäuser sind komplett abgerissen worden. Bei ihr sah das Haus teilweise so aus: Da geht man mehrere Stufen hoch, bevor man überhaupt im Erdgeschoss ist. Und trotzdem: Haustür auf, und dann konnte man in den Keller gucken, weil sie sogar die Bodenplatte rausnehmen mussten. Das ist richtig hässlich. Vielleicht zieht sie im Frühjahr wieder ein. Das möchte keiner. Das ist extrem.
Und dann hört man: „Damit konnte man nicht rechnen.“ Ist klar. So. Jetzt verstehen Sie das Problem. Das ist nicht lustig. Und wer ist dafür verantwortlich? CO₂. Aber ist es tatsächlich das CO₂, das wir rauspusten? Diese Frage wird ja auch immer wieder gestellt.
Ich habe eine Grafik von der … Jetzt wird’s – also das ist, glaube ich, das komplizierteste, was ich Ihnen zeige. Es kommt nämlich nicht von mir, sondern von welchen, die es echt drauf haben: die Nationale Akademie der Wissenschaften.
Sie sehen eine Kurve ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Der obere Teil zeigt: Wo kommt das zusätzliche CO₂ her? Und der untere Teil: Wo geht’s hin?
Gucken wir erst mal an, wo kommt das CO₂ denn her? (Ups, jetzt habe ich es ausgemacht. Moment – machen wir es wieder an.)
Die Landnutzungsänderung, das ist der gelbe Teil. Also falls Sie schon mal den Urwald abgeholzt haben oder ein Moor trocken gelegt haben oder so, dann wird natürlich CO₂ freigesetzt. Das ist der gelbe Teil.
Es gibt ja ganz viele, die sagen: „Ah, wir müssen da was machen. Wir müssen Wälder aufforsten, pflanzen wir einen Baum, das hilft dem Klima.“ Ich muss – wenn ich mir diese Grafik angucke – sagen: Ja, bitte pflanzen Sie Bäume, bitte begrünen Sie Ihre Umwelt. Eine Schwammstadt ist total wichtig, um den Extremen besser entgegenzutreten. Wir brauchen Biodiversität, Artenvielfalt. Also: Bitte forsten Sie Wälder wieder auf.
Aber wenn Ihnen irgendjemand erzählen möchte, dass das den Klimawandel stoppt: 0,0. Der gelbe Teil ist nicht das Entscheidende. So viel Wald können Sie gar nicht aufforsten.
Hier sehen wir, wo das Problem ist: der braune Teil – Verbrennung fossiler Stoffe. Das, was den Klimawandel antreibt, ist: Wir verbrennen Zeug.
Und die einzige Möglichkeit, das zu stoppen – und jetzt kommt der Satz, den ich am allermeisten hasse – ist: Wir müssen aufhören, Zeug zu verbrennen.
Ich hasse den Satz wirklich. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – ich habe in meinem Leben total gerne Sachen verbrannt. Angefangen beim Grillabend bis zu: Wenn Autofans hier sind – ich habe mehr als ein Auto wegen des Geräuschs gekauft. Da hatten Sie einen CO₂-Ausstoß schon beim Anlassen, der den eines mittleren afrikanischen Staates irgendwie übersteigert.
Verstehen Sie, was ich meine? Jeder hier im Saal – egal wie alt oder jung Sie sind – ist ja in eine Zeit geboren, in der Verbrennen total normal ist. Mobilität oberhalb des Fahrrads: Da ist immer was verbrannt worden. Warm werden: Wir haben immer was verbrannt. Entweder im Ofen, unten im Keller oder irgendwo.
Wenn Sie Unternehmer sind und brauchen Prozesswärme: Solange ich denken kann, musste immer erst was verbrannt werden, damit wir die Energie haben – und zwar bis zum heutigen Tag.
Ich weiß gar nicht, wie das überall gehen soll ohne Verbrennen. Wir haben auch heute noch nicht für alles Antworten. Wie bitteschön komme ich mit dem Segelflieger in die USA? Das schaffe ich nicht. Wie soll das gehen? Ich will auch nicht mit dem Segelschiff übers Meer schippern – das ist mir zu schwabbelig. Da habe ich noch keine Antwort, und andere auch noch nicht.
Aber eines ist klar: Erstens, wir müssen das stoppen, weil das wird richtig hässlich. Und es geht nur darüber. Und das bedeutet: Wir müssen echt aufhören damit – insbesondere bei den Dingen, wo wir schon aufhören können. Ist ja nicht so, dass wir gar nichts können.
Warum? Weil ein Teil im Ozean landet. Die Ozeane nehmen nicht nur seit Jahrzehnten die zusätzliche Wärme zu 90 Prozent auf – das meiste landet ja gar nicht in der Atmosphäre. Das meiste landet im Meer. Deswegen hatte die Karibik ja jetzt noch 31 Grad Ende Oktober bei diesem Hurricane. 31 Grad im Oktober. Ende Oktober. Total krass.
Die nehmen auch einen Teil des CO₂ auf. Das heißt: Wir machen aus Meerwasser warmes Mineralwasser. Wenn Sie schon mal warmes Mineralwasser getrunken haben: Das ist eklig. Ich weiß nicht, ob Fische das mögen.
Ökosysteme an Land finden mehr CO₂ erstmal super – Pflanzen wachsen besser, da gibt’s nichts zu meckern. Aber 40 Prozent landen in der Atmosphäre, machen den Klimawandel – und jetzt kommt’s: Bleiben dort. Dieses CO₂ bleibt dort für 1000 Jahre.
Das ist nicht wie das Ding mit den FCKWs und dem Ozonloch: Kühlschränke und Spraydosen abgeschafft, 100 Jahre später ist es wieder gut. Überschaubares Problem. Lässt sich leicht lösen.
Aber das hier ist, als wenn Karl der Große was gemacht hätte und wir müssten es immer noch ausbaden.
Und plötzlich wird mir mein persönlicher Beitrag dazu schon klar: Einmal volltanken – 50 Kilo. Denke ich mir: Komm. Aber 50 Kilo mal 1000 Jahre ist halt doch viel.
Da kann man wirklich schlechte Laune bekommen. Aber ich will Ihnen gar nichts vorwerfen. Ich bin kein Deut besser. Wir sitzen alle im gleichen Boot, und ich fühle mich genauso unwohl.
Was ich erreichen möchte, ist, dass Sie vielleicht bei manchen Dingen so eine neue Nullinie bekommen: Was ist eigentlich normal? Was ist nicht normal? Was haben wir unterbewusst eingepreist, was nicht so ist?
Zum Beispiel Mobilität: Wir verbrennen Öl. Oder Heizung: Wir verbrennen Öl. Das ist für uns normal – haben wir nie drüber nachgedacht.
Ich fahre jetzt seit geraumer Zeit elektrisch. Ich habe aber noch einen Oldtimer. Der wird wenig bewegt, aber hin und wieder fahren wir damit. Wenn ich so eine Oldtimer-Rallye fahre, ist das total schön – wenn Sie es noch nicht gemacht haben: Das ist so ein gemeinsames Auto-Ding, macht Spaß. Und wenn da so Vorkriegsautos sind, dann fahre ich so hinterher und denke mir: „Geil, verbleites Benzin, super.“
Wenn ich mit meinen Kindern – die sind jetzt 13 und 15 – an der Tankstelle bin, an der Dieselzapfsäule, sagen die: „Boah, ist das eklig.“ Weil die eine andere Nullinie haben. Für die ist das gar nicht normal. Die sagen: „Das stinkt.“
Nur weil es für uns normal ist, ist es nicht normal. Und jetzt wird’s spannend: Öl verbrennen ist sogar menschheitsgeschichtlich nicht normal. Seit Christi Geburt ist Öl verbrennen wie eine Kerze in der Nacht. Wir haben so viele Jahrhunderte, so viele Jahrtausende gar kein Öl verbrannt.
Irgendjemand ist irgendwann auf die Idee gekommen: „Ach guck mal, ich habe hier so ein dreckig stinkendes Zeug – das könnte man doch mal verbrennen.“ Und dann war das eine gute Idee, aus vielerlei Gründen. Keine Frage. Hat uns wirtschaftliche Vorteile gebracht.
Aber eigentlich werden wir auch wieder damit aufhören – hoffentlich bevor es alle ist. Verbrennen bedeutet: weg. Kein Tropfen Öl, den wir verbrannt haben, wird jemals recycelt. Das ist weg. Das können wir nie wieder für Medikamente oder irgendwas anderes benutzen.
Und wenn wir über die Nullinie reden: Es sind nicht nur die stinkenden Finger. Es sind auch … wie viele Ölteppiche heute auf den Ozeanen? Hunderttausende. Das hat doch niemand von uns auf dem Schirm. Oder wenn mal jemand irgendwo Öl verliert – da denkt doch keiner drüber nach. Fragen Sie Biologen, was ein Tropfen Benzin im Erdreich macht.
Unsere Nullinie hat das eingepreist. Aber eigentlich ist es nicht normal.
Genauso wie das hier nicht normal ist. Hier drüben ist Köln. Hambacher Forst. Eigentlich war das mal ein Forst. Jetzt ist da ein großes Loch. Flächenmäßig passt Köln da zu großen Teilen rein. Und ich garantiere Ihnen: Wenn Sie alle Gebäude Kölns mit allen Stadtteilen und Dom und Kanalisation abreißen, in das Loch reinschmeißen – es ist nicht voll.
Und das ist ja nur ein Loch. Garzweiler ist da oben – da passt Mönchengladbach rein. Egal wie viele Löcher wollen Sie sich noch angucken?
Ich war am Mittwoch auf Zollverein – da gibt’s zwar kein Loch, das sichtbar ist, aber: Die haben 13.000 Tonnen Kohle jeden Tag rausgeholt. 13.000 Tonnen jeden Tag – die ja auch jeden Tag verbrannt wurde. Eine wertvolle Ressource.
Und am Ende ist es egal, ob es Kohle ist oder Öl oder Lithium: Jede Ressource zählt.
Stellen Sie sich mal vor, Sie würden in 13.000 Tonnen Windräder denken oder in 13.000 Tonnen Batterien. Die werden nicht verbrannt. Die benutzen Sie 20 Jahre – und danach können Sie sie recyceln und wieder benutzen. Das ist was ganz anderes.
Also dieses Verbrennen: Ich kann verstehen, das ist praktisch und das macht ja auch Sinn. „Soll ich ein altes Auto weiterfahren? Das ist doch nachhaltig.“ Nee. Weil Sie jeden Tag weiter verbrennen – und das ist viel mehr, als das Ding einmal zu bauen.
Ich nehme mal ein BMW-Beispiel: Da gibt’s so einen Vierer, den gibt’s als i4 elektrisch – und Sie können auch einen 420d kaufen, das gleiche Auto.
Wenn Sie das Auto bauen und 250.000 km nutzen – so eine durchschnittliche Nutzungsdauer eines Automobils in Deutschland – und Sie nehmen das elektrische Modell: Alle eingesetzten Ressourcen für den Bau und die Nutzung von 250.000 km (die Reifen rechnen wir mal nicht mit): Wie viele Kilo können Sie nicht recyceln? Ich löse auf: gut 100.
So: Beim Verbrennermodell 420d – bauen, 250.000 km nutzen (ohne Reifen): Wie viel der eingesetzten Ressourcen können Sie nicht recyceln? 17 Tonnen.
Keiner denkt den Sprit mit. Jeder denkt nur: „Ja, aber da habe ich doch nicht diese 600-Kilo-Batterie.“ Ja, die 500 Kilo Batterie – die ist gleich erledigt, weil die 500 Kilo Sprit haben Sie ruckzuck verbrannt, und der ist für immer weg. Wir haben das nicht auf dem Schirm.
Und am Ende ist Öl genauso viel wert wie Wasser oder Sand. Jede Ressource zählt. Und klimatisch ist das andere sowieso besser – aber das ist ja nicht die Geschichte des heutigen Tages.
Also: Sie sehen, das ist so eine … das hatten wir eingepreist. In den Sechzigern war das normal. Da haben wir einfach damit gelebt. Da hat sich ja schon was geändert.
Und wenn Sie sich diese – das darf man schon als Umweltkatastrophe bezeichnen – wenn Sie sich diese Katastrophe anschauen, dann ist die folgende noch viel katastrophaler. Viel katastrophaler.
Sie müssen erst mal auf der linken Seite gucken: Hier ist die A44. Wenn Sie von Kassel nach Dortmund fahren, vor Paderborn kommen Sie aus dem Wald raus, geht so ein bisschen bergab. Ich habe, als ich da lang gefahren bin – ich musste nach Paderborn – ich habe aus Versehen nach rechts geguckt. Ich bin vor Schreck fast in die Leitplanke gefahren.
Sehen Sie die ökologische Katastrophe? Sie sehen die nicht? Ja, ich habe gedacht, das ist wie ein Sonnenblumenfeld – aber es sind halt lauter Windräder. Keine Ahnung: 50, 60, 70 Windräder. Sehen Sie das? Das ist der pure Wahnsinn.
Ich war in Paderborn, auch auf so einer Veranstaltung, und habe die Leute gefragt: „Sagen Sie, wie ist denn das mit so vielen Windrädern?“ Da kommt dann: „Ach ja …“ Und dann hört der Satz auf. Mehr müssen es jetzt nicht werden, aber ja.
Ich habe extra noch mal rangezoomt: Sehen Sie den brutalen Flächenverbrauch des Windrades? Da fährt der Schlepper ja fast gegen den Turm. Ja, natürlich braucht das Beton. Es gibt ja immer wieder: „Das braucht aber so viel Beton.“ Ja, stimmt.
Und wenn das Ding 25 Jahre lang steht: Danach – die Bauleute wissen das – machen Sie aus einem Betonfundament wieder ein Betonfundament. Ich glaube, über 90 Prozent. Kann man Beton recyceln? Wo ist das Problem?
Wenn Sie nach 25 Jahren sagen: „Das möchte ich da nicht mehr haben“, dann bauen Sie es ab, und dann fährt der Schlepper halt keine Kurve mehr, sondern geradeaus.
Stellen Sie sich vor, das wäre ein Wald: Dann würden Sie es abbauen, dann wächst danach wieder ein Wald. Und übrigens: Wald – das muss ich ja jetzt leider auch mal sagen – gerade so viele Kahlflächen durch die Dürreperioden … Ich komme aus Hessen – das ist hässlich. Hier ja auch, und in Thüringen: Der Thüringer Wald ist ja entwaldet. Hunderttausend Hektar sind platt. Das sind meistens solche Gebiete: Da ist kein Wald. Da könnten Sie locker Windräder hinbauen in einer windhäufigen Region, weil da ist die nächsten 50 Jahre auf keinen Fall Wald. Das tut jetzt überhaupt nicht weh, wenn da ein Schlepper durchfährt und wenn da mal ein Kabel verlegt wird und wenn da mal an dieser einen Stelle der Boden verdichtet wird – das ist total wurscht.
Klar: Guckt man auch, ob der Rotmilan fliegen muss und so was. Es muss ja auch nicht überall hingestellt werden. Aber wir haben ja Möglichkeiten.
Und wenn ich das ins Verhältnis setze zu den anderen Dingen: Ja, das hat einen Einfluss auf die Umwelt. Und ja, ich finde schon: Eine Umwelt ohne Windräder ist wahrscheinlich hübscher als eine mit. Aber wenn ich es ins Verhältnis setze, kann ich damit besser leben.
Und ich sag mal: Ein Sonntagsspaziergang, und dann stehen da Windräder – das stört mich weniger, als wenn ich mit der Schwiegermutter sonntags durchs Gewerbegebiet laufen müsste. Nichts gegen die Stadtwerke, aber die meisten Gewerbegebiete sind viel hässlicher. Also: Dinge ins Verhältnis setzen, ob man das mag oder nicht mag. Ich finde, das ist legitim. Deswegen muss man nicht alles gut finden.
Und jetzt muss ich mal fragen: Was haben Velbert, New York und Shanghai gemeinsam? Wissen Sie es? Velbert – die haben ähnlich groß … also Sie sind auf einem Level quasi. Müssen sich gar nicht klein fühlen. New York und Shanghai haben ein paar mehr Häuser als Sie – aber nee: Sie haben alle Dächer. Das ist total verrückt. Und das sind Google-Maps-Bilder.
Ist ein Suchspiel übrigens: „Finde die Solaranlage.“ Und jetzt sehen Sie es: Irgendwo ist hier eine Solaranlage.
Das Interessante ist übrigens: In New York können sich Leute einen Pool leisten. Hier kann sich auch jemand einen Pool leisten. Und jetzt wird’s völlig absurd: Wer sich einen Pool leisten kann, aber keine Solaranlage auf dem Dach hat – das verstehe ich wirklich nicht. Das verstehe ich wirklich nicht.
Warum zeige ich Ihnen das? Es gibt ja völlig zu Recht die Frage: „Das Energiesystem einfach mal so umbauen – wie soll das denn gehen bei den Mengen?“ Jetzt fangen wir doch mal mit den – neudeutsch, ist aber Englisch – low hanging fruits an. Den tiefhängenden Früchten. Das, wo man sich nicht anstrengen muss.
Eine Solaranlage aufs Dach dübeln ist keine Raketenwissenschaft. Das könnte ich selber, wenn ich es dürfte. Bin aber kein Elektriker, darf ich nicht. Und natürlich muss das Stadtwerk auch sagen: „Übrigens, das geht auch in Ordnung.“ Das kommt drauf an. Wahrscheinlich haben Sie einen Speicher dazu geplant – aber wer das im Jahr 2025 macht, ist sowieso selber schuld, keinen Speicher zu nehmen. Und bei den Speicherpreisen ist das ja inzwischen auch kein Problem mehr.
Bis wir all diese Dächer global belegt haben, da geht schon mal Zeit ins Land. Da haben wir schon einen riesen Schritt gemacht. Vielleicht fangen wir einfach mal mit den Dingen an, die wir können – die wir heute können –, ohne dass es jemandem weh tut. Weil: Das kostet kein Geld – das spart Geld.
Was kostet der Strom gerade, die Kilowattstunde, bei den Stadtwerken? 31,99? Darf ich sagen, wie viel Solarstrom, eigenproduziert auf dem Dach, in Deutschland im Schnitt kostet? Fünf bis acht Cent. Gehen wir mal von acht Cent aus – von mir aus auch zehn – zu 31: Das ist einfach nur eine Frage.
Und man gönnt sich ja auch sonst manchmal Dinge, weil man findet, es ist eine gute Idee. Aber das ist einfach auch was im Geldbeutel.
Und wenn Sie sagen: „Gut, aber ich halte das mit den guten Nachrichten nicht aus. Ich stürze mich sowieso nächstes Jahr in die Gruft“ – dann muss man auch einfach mal sagen: Das ist ja Ihre Immobilie, möglicherweise. Wenn Sie Immobilienbesitzer sind: Das ist Ihr Vermögen, das Sie möglicherweise weitergeben. Und das ist Werterhalt.
Alles, was Sie energetisch machen – von der Wärmepumpe über Solar, egal was – sichert den Wert Ihrer Immobilie. Da können die Leute von der Sparkasse was dazu sagen: Wenn Sie einen Kredit brauchen oder was auch immer, der ist teurer, wenn Sie nicht saniert haben. Die Verkaufspreise unterscheiden sich um mehr als die Sanierungskosten. Ein unsaniertes Haus ist deutlich billiger als ein unsaniertes plus saniertes zu einem richtig gemachten Haus. Das heißt: Sie machen eigentlich Geld kaputt, wenn Sie es nicht tun.
Und bei – ich sag mal – im Schnitt acht Cent: Da muss ich auch kein Matheprofessor sein. Das kann man leicht hinkriegen.
Und jetzt wird’s noch besser: Unter dem Dach ist ein Haus. Da leben oder arbeiten Menschen, die üblicherweise Strom verbrauchen. Bisher musste der immer durchs Kabel durch. Im Neubaugebiet, glaube ich, liefern die Stadtwerke fast nichts mehr, weil: Wenn die alle Solar haben, da geht kaum noch was rein oder raus. Das entlastet ja das Grundkonzept unseres Energiesystems, das bisher so zentralistisch war. Dezentral entlastet das System.
Jetzt muss man darüber legen: Wie ist das steuerbar? Ist das regelbar? Kann das einzeln laufen? Ist das autark? Wie ist das vernetzt? Hat das die gleiche Software? Natürlich gibt’s da Fragen.
Wenn Sie einen Speicher haben: Natürlich ist die berechtigte Frage: Kann ich da Strom nachts einspeichern, wenn zu viel da ist – und dann nehme ich den wieder raus? Kann ich damit Geld verdienen?
Übrigens: Seit vorgestern Nacht habe ich gelernt – geht. Ja, es gab da eine wunderbare Entscheidung. In Berlin haben sie tatsächlich auch ein paar richtig gute Entscheidungen getroffen: Speichertechnologie – wenn Sie ein E-Auto haben und das dran hängt – können Sie mit dem E-Auto Geld verdienen, indem Sie sagen: „Immer wenn es nachts dran hängt, dürfen die bei mir ein bisschen Strom reinnehmen oder rausnehmen, wie sie möchten.“ Da muss man keine besonderen Netzentgelte mehr bezahlen, und dann können Sie damit übers Jahr Geld verdienen. Dann verdienen Sie mit dem Auto Geld, obwohl Sie keine Taxilizenz haben. Das finde ich wunderbare Entwicklungen, die Ihnen persönlich helfen, aber auch dem Netz helfen. Das ist absolut netzdienlich, weil es dafür sorgt, dass wir nicht noch mehr Trassen bauen müssen.
Und ganz nebenbei: In einer Welt, wo die Experten der Bundeswehr, die Sicherheitsfachleute, sagen, dass Putin die NATO 2029 testen wird – finde ich, wenn man in die Ukraine guckt, dezentrale Stromversorgung super. Weil so 20 Gaskraftwerke und 38 Umspannwerke macht man viel leichter kaputt als 100.000 Solaranlagen. Die kriegen Sie nämlich nicht so leicht kaputt. Es gibt viele Gründe, warum man darüber nachdenken darf.
Haben Sie ein bisschen schlechte Laune? Ich würde sagen: So langsam biegen wir in den unterhaltsamen Teil ein, obwohl das nächste Bild für mich recht erschütternd ist.
Das habe ich im Internet gefunden, von einer Firma, die Häuser baut. Vielleicht leben Sie auch in so einem Haus und haben ein Geschmacksbild. Ich weiß: Geschmack liegt im Auge des Betrachters. Finden Sie dieses Haus schön? Ich find’s unmöglich. Ich oute mich. Ich find’s unmöglich.
Ich kann Ihnen auch genau sagen, warum: Ich finde immer, dass Architekten … manchmal habe ich das Gefühl, dass Architekten selber nicht leben oder dass ihnen beim Konstruieren des Hauses die Legosteine ausgegangen sind. Warum haben die keinen Dachüberstand? War die Bauplatte zu klein und es hat nicht mehr gereicht?
Ein Haus ohne Dachüberstand in Zeiten von Klimawandel: Wenn die Sonne reinknallt und Sie null Schatten haben. Wenn Sie bei jedem Regenguss – sei er noch so schwach – plötzlich Wasser auf der gedämmten Fassade haben. Die Fassade ist gedämmt, das trocknet nicht so schnell. Dann haben Sie das Wasser drauf.
Und heute ist die Luft viel sauberer als vor 30 Jahren. Deswegen haben wir Flechten in der Luft. Die weiße Wand wird wieder grau – so wie in den Sechzigern –, wenn Sie die nass werden lassen. Ein Dachüberstand würde übrigens auch bedeuten, dass Sie mehr Solaranlagen oder mehr Solarzellen da oben drauf packen. Aber das ist ein neues Haus: Der hat noch nicht mal Solaranlagen drauf. Und wer – wie ich – ein neues Haus ohne Wärmepumpe kauft: Das sind zwei Dinge … also der hat ganz bestimmt keine Wärmepumpe. Das verstehe ich erst recht nicht.
Und das zieht sich ja durch: Dieses Haus ist ja in einer grünen Hölle gebaut. Da gibt’s kein einziges Insekt. Das Einzige, was ich dem wünschen würde, wäre der Buchsbaumzünsler.
Wir wissen, dass die Sonne knallt und dass es heiß wird. Der hat noch nicht mal eine Markise. Diese zwei halbschrägen Schirme da – das kann doch nichts. Und es ist übrigens ein wunderbar barrierefreies Haus. Das ist toll: Da kann man nicht nur mit dem Rollator rein und raus – sondern beim Starkregen fließt das Wasser ungehindert ins Wohnzimmer rein. Das ist wirklich bekloppt. In diesem Bild sind so viele Fehler – ich weiß gar nicht …
Vielleicht zeigt dieses Bild aber auch, wie wenig gemeinschaftsdienlich dieser Mensch denkt. Gerade beim Thema Hochwasser: Das Haus liegt niedriger. Ich glaube, der denkt sich: „Wenn Wasser kommt, läuft’s beim Nachbarn rein.“ Das finde ich nicht schön.
Insbesondere, weil es ja anders viel schöner ginge. Zum Beispiel im Geschosswohnungsbau: Das ist ein Bild aus Genf. Früher zwischen so Zeilenbauten hatten Sie so eine flache grüne Wiese und ein halbschräges Schaukelgerüst und was zum Wäscheaufhängen. Leute: Dieses verrostete Metall-Ding – das ist doch viel schöner.
Wenn es da heiß ist, kühlt das. Wenn Sie rausgucken, macht’s viel mehr Spaß. Sehen Sie: Das ist ein offener Boden, der in der Mitte runtergeht. Wenn da Hund und Katze vom Gewitter runterkommt: Bis das vollgelaufen ist, ist das Gewitter schon wieder weitergezogen. Das ist ein aktiver Hochwasserschutz.
Und möglicherweise sind die nicht nur gedämmt, sondern haben auch eine zentrale Wärmepumpe, die all diese Gebäude versorgt. Dann haben Sie wirklich für kleines Geld die Heizung, Sie haben ein schönes Umfeld – das geht. Das kostet, glaube ich, auch nicht die Welt. Das ist einfach nur: anders denken.
Wir werden in Zukunft anders wohnen müssen. Und wenn das so aussieht, habe ich gar nichts gegen Zukunft. Sind Sie mit mir einer Meinung? Ja, ist ganz schön, oder? Kann man aushalten.
So, und wenn wir jetzt noch mal über Wärmepumpe reden: Wer von Ihnen glaubt, dass Wärmepumpe in jedes Haus geht? Gott – kaum jemand.
Ich zeige Ihnen mal ein Haus, das steht in Friedrichsdorf, Hochtaunuskreis. Die haben „HG“ als Kennzeichen – das bedeutet: „Habe Geld“. Das ist ein Professor, dem die Umwelt auch nicht egal ist.
Der hat dieses über 100 Jahre alte Haus gekauft. Das ist wunderschön: Hohe Decken, Stuck, großartige Böden, teilweise Buntglasfenster, natürlich diese verschieferte Fassade. Der hat schon – wie man sieht – neue Fenster. Und der wollte das energetisch sanieren.
Und dann hat er geguckt und gesagt: „Ich kann es nicht dämmen. Wenn ich diese Fassade dämme, ist das Haus kaputt.“ Das kann man nicht machen. Von innen dämmen funktioniert auch nicht – mit diesen Wänden und dem Stuck und so. Kann man nicht machen.
Er war ein bisschen verzweifelt, aber hat nicht locker gelassen. Und das ist der Unterschied: Der hat nicht locker gelassen. Und dann hat er sich informiert, hat sich was rangeholt.
Was hat der jetzt? Der hat inzwischen das komplette Dach belegt mit Solar. Das ist ziemlich groß. Der produziert im Sommer viel mehr Strom, als er braucht. Er hat einen Elektrolyseur. Das heißt: Der macht aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff. Hier steht so ein … kennen Sie so ein Mülltonnenhäuschen aus Metall? Da steht so ein Mülltonnenhäuschen – da sind die Gasflaschen drin.
Das heißt: Der speichert über den Sommer dort den Wasserstoff. Und damit kann er die Wärmepumpe auch im Winter betreiben. Der hat ein paar Heizkörper austauschen müssen. Der hat also keine Fußbodenheizung oder so. Und er hat eine leicht aktive Belüftung: Stehen Sie davor – das spüren Sie kaum. Aber das verteilt die warme Luft, dass sie nicht erst gemütlich nach oben steigt und unten bleibt’s kalt, sondern dass Sie gleich eine behagliche Wärme haben.
Es funktioniert wunderbar. Hat gekostet – ich musste mich festhalten – 160.000 Euro. Gut: Das ist eine Millionenvilla. Und er sagt: Hätte ich es klassisch saniert, wäre es ein ähnlicher Betrag gewesen. Das ist eine Menge Hirnschmalz gewesen. Vielleicht wird das jetzt normaler.
Aber das bedeutet: Wenn es da geht, sage ich, geht’s fast überall. Es ist nur eine Frage, ob ich es will, ob ich bereit bin, anders zu denken. Es ist mehr Aufwand, keine Frage. Aber es geht überall.
Und wenn Sie den fragen: Der ist zufrieden. Und kann man Zufriedenheit kaufen? In diesem Falle anscheinend schon.
Trotzdem: Wenn wir die Realität anschauen – Sanierungsquote in Deutschland: knapp 0,7 Prozent, war es glaube ich im letzten Jahr. Die meisten Häuser stammen aus den Fünfzigern, als die Winter kalt und die Sommer nicht heiß waren. Nichts davon ist gedämmt. Da muss man sagen: Das geht schief.
Oder wer glaubt, das geht schief – das schaffen wir nicht? Herr Berghaus glaubt es. „Das geht schief.“ Dieses „Wir schaffen das nicht“ ist übrigens auch manchmal bei mir vorherrschend.
Ich weiß gar nicht: Wie viel Zeit habe ich denn noch? Zehn Minuten?
Manchmal – gerade auch wenn man Nachrichten hört, Klimakonferenzen, und dann sind die USA nicht dabei, Trump macht irgendwas Lustiges, und dann kommen komische Entscheidungen – da habe auch ich oft das Gefühl: Mist, das geht schief. „Wir schaffen das nicht“ ist die logische Schlussfolgerung.
Aber ich kann Ihnen sagen: Das stimmt nicht. Wenn Sie glauben, wir schaffen das nicht, dann haben Sie nicht recht. Ich muss mir das auch immer wieder einreden, weil wir so viele schlechte Nachrichten hören – auch was den Klimawandel angeht, und Wärmewende, Energiewende und was auch immer. Immer hören wir, was alles nicht funktioniert.
Das ist übrigens auch das Wesen von Medien: Die sagen natürlich immer nur, wo das Problem ist – und nie, wo was super läuft.
Das stimmt aber nicht. Ich mach’s mal an ein paar Beispielen klar. Schauen wir’s mal global an:
Vor zehn Jahren hat sich die Welt auf dieses komische 1,5-Grad-Ziel geeinigt – in Paris. Aber wir waren damals auf einem 4-Grad-Erwärmungspfad. Das ist eine Mad-Max-Welt. Dystopisch. Da wollen wir nicht leben. So standen wir damals da.
Heute, zehn Jahre später, sind wir immer noch bei 2,8 Grad Erwärmung. Immer noch eine Welt, in der unglaublich viel kaputt geht – wo man es kaum aushalten kann. Aber drehen wir’s doch mal um:
Die Welt ist in zehn Jahren 1,2 Grad besser geworden. Die Welt ist in zehn Jahren 1,2 Grad besser geworden. Das ist doch krass. Das finde ich total krass.
Weil wir in Deutschland haben dazu überschaubar wenig beigetragen. Wir sind schon ein bisschen besser geworden, aber – jetzt zitiere ich tatsächlich mal Herrn Merz – „wir sind ja nur 2 Prozent“.
Ja, also wenn Sie denken: „Was hilft’s denn, wenn ich was mache?“ Nee, nee, nee – das ist nicht die Frage. Die anderen machen schon. Natürlich macht jeder anders. Natürlich ist niemand perfekt. Wir sind es ja auch nicht.
Was machen wir alles falsch in Deutschland? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll aufzuzählen. Da sind die anderen auch nicht besser. Aber alle machen was. Wir sind 1,2 Grad besser geworden.
Und um das an ein paar Beispielen festzumachen: Reden wir noch mal über diese Dächer, über Solaranlagen. Es gibt die Internationale Energieagentur und ganz viele Experten, die weltweit gucken: Was tut sich denn? Wie ist der Ausbau? Mit was muss man rechnen?
Ich zeige Ihnen jetzt eine Kurve – ganz viele Kurven. Die gelben sind die Prognosen der Experten, und das Schwarze ist die Wirklichkeit: Der Solarausbau der vergangenen Jahre global.
Und es gibt keine einzige Prognose der Experten – nicht eine –, die die Wirklichkeit auch nur annähernd darstellt. Die Welt ist viel besser, als es Experten vermuten. Jedes Mal. Jedes Mal.
Selbst in 2024 eine Prognose zu machen ist dramatisch daneben gegriffen, obwohl das Ding schon an Fahrt aufgenommen hat. Da denkt man sich: Warum denn? Warum soll das denn hier abbiegen?
Das ist das Wesen von Disruption: Dass selbst die Experten völlig unterschätzen, wie es plötzlich vorwärts geht.
Ich kann das auch noch mal an Zahlen festmachen. Solaranlagenleistung: 1 Gigawatt – das ist so … in Hessen: Biblis, das Atomkraftwerk, hatte früher 1 Gigawatt Leistung. Klar, das kann rund um die Uhr laufen – Solar nicht. Deswegen brauchen Sie mehrere Gigawatt für die gleiche Energiemenge. Aber nur mal, um die Leistung anzugucken:
1 Gigawatt Solarleistung – da haben wir 2004 ein Jahr weltweit gebraucht, um das hinzubauen. 2015 haben wir es in einer Woche geschafft. 2023 in einem Tag. Und das Geilste ist: Allein China hat in diesem April jeden Tag eineinhalb Gigawatt Solarleistung hingebaut. Allein China. Jeden Tag eineinhalb.
Und jetzt schauen Sie sich Atomkraftwerke an: Im ersten Halbjahr wurde eins neu ans Netz genommen – in Indien – und zwei wurden stillgelegt. Eins in Chile, eins in Belgien … ich finde, das sagt alles.
Wenn der Herr Söder davon träumt – und er ist, glaube ich, nicht der einzige –, dass Atomkraft weltweit eine Renaissance erlebt: Von mir aus darf er dafür träumen. Es darf ja jeder träumen, was er möchte. Das ist legitim. Die Realität überholt ihn aber locker.
Es gibt weltweit 450 … 400 … Atomkraftwerke. Und es sind ein paar im Bau, aber das sind weniger als 20, die geplant sind. Und dann baust du zehn Jahre, wenn es schnell ist – wenn nicht, dauert’s länger. Dann hast du Milliarden ausgegeben und produzierst den mit Abstand teuersten Strom.
Solarstrom bei uns in Deutschland ist ja nicht der günstigste. Windstrom onshore – also an Land – ist ja noch günstiger als Solar. Da kommst du mit Atomkraft gar nicht hin. Gar nicht. Das macht keinen Sinn.
Wer heute Atomkraft forciert, sagt das nicht aufgrund von Fakten, sondern weil er nur das, was es im Moment gibt, nicht möchte. Das ist ja auch okay. Es darf ja jeder sagen, was er will. Man darf unterschiedliche Meinungen haben.
Wichtig ist nur, dass andere sehen, was tatsächlich Fakt ist.
Es gibt ja auch Menschen, die sagen, Borussia Dortmund wäre der beste Verein der Welt – und das ist natürlich auch richtig. Aber wenn Sie in Bayern fragen, dann sagen die: „Stimmt nicht.“ Da wissen Sie: Das ist berechtigt – darf ja jeder seine Meinung haben. Es hilft aber manchmal, wenn man auf die Tabelle guckt.
Ich bin kein Bayernfan – Eintracht –, aber ja.
Übrigens: Beim Wind ist es nicht ganz so extrem, aber auch da sind wir nicht so schlecht. Ende September hatten wir in Deutschland 66 Gigawatt – also 29.000 Windkraftanlagen. 3,3 Gigawatt sind neu gebaut. Genehmigt sind 15. Das nimmt Fahrt auf.
Früher hat das ja auch Jahre gedauert, bis man es hinkriegt. Jetzt dauert die Genehmigungsphase 17 Monate. Das ist gut ein Viertel schneller als noch im vergangenen Jahr. Also wir sind in diesem Jahr schon schneller geworden bei den Genehmigungen.
Das heißt: Wenn Sie heute beschließen, Sie machen was, Sie haben das Geld, und die Kommune sagt: „Ach, das finden wir gut“, dann dreht sich das Ding in vier Jahren spätestens. Das ist eine ganz andere Dimension. Das ist viel einfacher. Viel einfacher.
Also: Das ist doch hoffnungsvoll. Das ist hoffnungsvoll – auch wenn wir in die Zukunft schauen.
Ja, das Wetter wird schon hässlich. Das wird nicht schön. Wir werden viel mehr Extreme haben, als wir das jetzt schon erleben. Das ist noch nicht mal das neue Normal – das geht Schritt für Schritt weiter.
Und ich will gar nicht die ganz großen Dramen ansprechen, was passiert, wenn der Golfstrom abbricht. Das würden meine Kinder noch erleben. Das wäre arktisches Meereis im März vor Hamburg und so. Das kann wirklich passieren. Wir haben eine Fifty-Fifty-Chance, dass das passiert. So dicht sind wir da dran an diesem Drama.
Das wäre alles nicht schön. Also: Das Wetter wird wirklich hässlicher – aber unsere Städte werden schöner. Weil wir die umbauen müssen, damit wir das überhaupt aushalten. Die werden grüner werden. Wir werden mit der Mobilität hoffentlich ein bisschen anders sein – und das sage ich, obwohl ich Autofan bin. Und wir werden das mit der Energie auch anders haben.
In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts – ich weiß nicht, ob ich das noch erlebe – kommen wir an einen Punkt, wo Energie einfach so da sein wird. Warum? Heute kaufen wir jeden Tag Brennstoff ein, der jeden Tag verbrannt wird. Aber parallel beginnen wir schon jeden Tag Energieerzeugungsanlagen zu bauen, die 20 Jahre und länger stehen und jeden Tag produzieren.
Dann ist es eine einfache Rechnung, wann es passiert, dass wir einfach Energie überhaben – dass wir noch nicht mal mehr neu bauen müssen, sondern vielleicht nur ersetzen. Aber das ist dann einfach da.
Natürlich wird Strom dann nicht umsonst sein: Netze müssen betrieben werden, Anlagen gewartet werden und so. Aber das ist eine Wertschöpfung, die hier bleibt. Da mache ich nicht Katar damit reich oder so. Das finde ich charmant.
Sie haben eine Frage dazu?
Ja – das kann man sich noch nicht vorstellen. Und natürlich wird es nicht so sein, dass Solaranlagen einfach den Hochofen betreiben können. Undenkbar. Aber wir werden das über Wasserstoff lösen können. Denn wenn Sie so viele Erzeugungsanlagen haben, dann können Sie es sich leisten, daraus Wasserstoff zu machen.
Im Moment ist das noch nicht so sinnvoll, weil Sie für die gleiche Energiemenge – wenn Sie das als Strom machen – ein Windrad brauchen, und wenn Sie Wasserstoff machen, drei Windräder, wegen Wandlungsverlusten. Deswegen ist das im Moment einfach zu teuer.
Aber wenn Sie eh so viel haben und anders das Geschäftsmodell nicht läuft, dann läuft es selbstverständlich über Wasserstoff.
Ein gutes Beispiel ist China: Die haben zuerst unsere Solarindustrie platt gemacht, weil sie festgestellt haben, das ist ein Businessmodell, dann die Windenergie, dann Batterien, jetzt E-Autos – und jetzt machen sie gerade einen neuen Fünfjahresplan. Jetzt nehmen die das ganze Geld und bauen eine grüne Wasserstoffwirtschaft auf.
Dann entwickeln die alles, dann bilden sich Unternehmen, zack zack zack, dann entsteht ein riesiger Wettbewerb, dann gehen die Preise nach unten. Und dann wird das so sein, dass China der nächste Öllieferant ist – weil die haben nämlich selber keine Ölquellen. Dann sagen die: „Dann machen wir das halt.“ Dann bauen die nicht LNG-Tanker, sondern Wasserstofftanker.
Und wenn wir nicht aufpassen, wenn wir zu langsam sind mit unserem Wasserstoff, dann fahren die Tanker demnächst von China zu uns. Und dann geht das tatsächlich auch für den Hochofen. Das wird die Lösung sein, die machbar ist. Und die großen Player wollen das tatsächlich so. Vielleicht nicht überall in Deutschland, aber die großen Player wollen es.
Vielen Dank. Ich versuche, das jedem zu erzählen. Und es gibt auch immer noch eine Menge Menschen, die da zuhören. Aber es gibt eben auch die Aussage – ich habe es gestern oder vorgestern erst wieder bei einer Tagung gehört: Da habe ich gesprochen, danach kam jemand anders und sagte: „Aber wir müssen das auch mal mit wirtschaftlicher Machbarkeit verbinden.“ Und deswegen müsse man dieses Wunschdenken zurückstellen, weil es müsse ja auch für unsere Wirtschaft passen.
Und jetzt konnte ich nicht mehr antworten, aber ich bin der Überzeugung, dass der chinesische Weg der klügere ist, weil er langfristig wirkt.
Es hilft überhaupt nichts, wenn ich – aktuelle Entscheidung der Bundesregierung – einen Industriestrompreis für zwei Jahre zur Verfügung stelle. Da wird kein Konzern sagen: „Deswegen bleibe ich in der Bundesrepublik.“ Zwei Jahre sind nix.
Viel mehr würde helfen, wenn man sagt: Wir ertüchtigen unsere Netze so, dass wir langfristig viel intelligenter, nachhaltiger und günstiger Strom machen – selbst wenn es sich heute noch nicht auszahlt. Dann sind mehr Konzerne dabei, hier zu bleiben und Wirtschaft am Laufen zu halten. Das ist meine Überzeugung. Vielleicht habe ich damit nicht recht.
Aber China ist da tatsächlich genau richtig unterwegs.
Deswegen: Man kann sich das heute teilweise noch nicht vorstellen, dass Energie dann einfach da sein wird. Das ist so wie … ich war in den Neunzigern auf einer Veranstaltung bei T-Systems und war ein sehr früher Mobiltelefonnutzer. Das erste Telefon hat fünfstellig gekostet, im Auto fest eingebaut. Unglaublich – kann man sich gar nicht mehr vorstellen.
Wobei: Die teuren iPhones sind ja gar nicht mehr viel billiger – aber das ist eine andere Geschichte.
Und da sagte mir Herr Ranft von T-Systems, dieser Experte: „Wissen Sie, Mobilfunk – das mit der Sprachtelefonie – das ist irgendwann unwichtig. Das kriegen Sie geschenkt. Daten sind das neue Thema.“ In den Neunzigern. Und ich sagte: „Was erzählen Sie mir denn? Ich zahl gerade 2 Mark 36 die Minute!“
Und heute ist es doch so: Sie kriegen ja gar keinen Sprachtarif mehr, da geht’s nur noch um Gigabyte. Sprache kriegen Sie irgendwie mit. Die würden Ihnen wahrscheinlich sogar ohne Vertrag Sprache schenken – weil das total egal ist.
Ganz so wird’s natürlich nicht sein bei Energie. Aber das, was man sich damals nicht vorstellen konnte, ist heute Wirklichkeit. Dass ich über mein Handy Filme gucke – undenkbar damals.
Wenn wir diese Bereitschaft behalten, dass Zukunft tatsächlich auch einen Traum möglich macht – klingt ja erstmal wie ein Traum oder eine Utopie –, aber wir leben heute die Utopie von vor 20 Jahren, von vor 50 Jahren, von vor 100 Jahren. Vor 100 Jahren war völlig undenkbar, dass Menschen heute so leben, wie wir leben. Das hört nicht auf.
Wenn wir das zulassen, ist in unserer Zukunft ganz viel denkbar. Und die Zukunft wird selbstverständlich Wärmepumpe werden – fast überall.
Denn wenn Sie – zum Glück haben Sie hier nicht die Not, dass es ein Fernwärmenetz gibt. Weil Fernwärme läuft ja jetzt mit Gas in so Städten, und dann müsste das irgendwann Wasserstoff werden, aber bis dahin läuft es die ganze Zeit noch mit Gas. Da haben Sie als Einzelne gar keine Einflussmöglichkeit. Und dann irgendwann kommt das vielleicht mit Wasserstoff, und dann muss es „batsch“ funktionieren.
Das ist so, als wenn Sie zur Schule gehen und sagen: „Okay, du sollst Abitur machen, aber 12 Jahre musst du nicht lernen. Am Schluss kriegst du dann alles hin. Vorher schreibst du keine Arbeiten mit und lernst nichts – aber dann schreibst du bitte eine Eins.“ Das geht nicht so richtig.
Und das große Problem ist: Der Wasserstoff muss halt auch produziert werden. Und selbst wenn das günstig ist: Sie brauchen mehr elektrischen Strom, um den herzustellen, als wenn Sie den elektrischen Strom einfach nur für die Wärmepumpe nehmen – wo Sie aus 1 Kilowatt Strom 4 Kilowatt Wärme machen. Auch das bitte. Die Sonne liefert’s umsonst.
Jetzt wird man natürlich sagen: „Im Winter nicht. Die berüchtigte Dunkelflaute.“ Da kann ich als Wetterfuzzi was dazu sagen: Das Risiko einer Dunkelflaute liegt statistisch in Deutschland alleine bei drei Tagen im Jahr.
Weil wir aber in einem europäischen Verbundnetz sind, was Strom angeht – zum Glück –, fließt permanent Strom hin und her. Da fließt Strom von Portugal nach Spanien. Dann geht er nach Frankreich, dann kommt er von Frankreich nach Deutschland. Wir verkaufen ihn nach Polen, die haben gerade zu viel, dann geht er nach Tschechien, dann nach Österreich, dann wieder zu uns. Es läuft alles gleichzeitig nach Dänemark. Permanent fährt der Strom in Europa spazieren, damit die Netze stabil sind. Das ist total normal.
Deswegen ist es auch richtig, dass wir es europäisch denken. Und eine europäische Dunkelflaute gibt’s statistisch an 0,3 Tagen.
Und wenn man dann sieht, dass jetzt mit der Entscheidung dieser Woche Großspeicher zugelassen werden – also richtig große Megawatt-Speicherbatterien – und dass da so viele Anträge sind, weil so viele Menschen da schon Geld investieren wollen, dann kommen wir da auch drüber.
Eine Frage noch, und dann würde ich ganz gerne … Das stimmt. Wir werden für KI mehr Strom brauchen. Wir werden für Wärmepumpen mehr Strom brauchen. Wir werden für Autos mehr Strom brauchen. Wir brauchen mehr Strom. Von daher muss man schon noch mal deutlich was hinbauen.
Aber dafür, dass in China über 50 Prozent der Neuwagen komplett elektrisch sind, die letztes Jahr 10 Prozent Wirtschaftswachstum hatten und zum Ende des Jahres weniger CO₂-Ausstoß in der Stromproduktion hatten als im Jahr zuvor, muss ich sagen: Die beweisen, das geht. Die pusten immer noch unglaublich viel raus – viel zu viel – aber der Tanker hat schon angefangen, sich zu drehen.
Das Entscheidende ist, dass wir nicht sagen: „Da müssen erst mal die anderen anfangen.“ Das Entscheidende ist, dass wir verstehen, dass ich es selber mache.
Wer von Ihnen hat denn eine Solaranlage? Länger als 10 Jahre? 15 Jahre? Sie? Sie haben eine Anlage länger als 15? 12 Jahre?
Als Sie die vor 12 Jahren gebaut haben – da waren doch die Fragen: Wie viele Paneele passen aufs Dach? Wer montiert’s mir? Was kostet der Spaß? Wie hoch ist die Einspeisevergütung? Speicher wahrscheinlich nicht vor 12 Jahren. Nee: Speicher nicht.
Und die wichtigste Frage: Wie lange dauert’s, bis es sich refinanziert? Bei Ihnen nicht? Okay. Aber bei vielen ist das die Frage.
Stellen Sie sich diese Frage übrigens auch beim nächsten Küchenkauf. Oder beim Fernseher: „Wie lange dauert’s, bis sich der Fernseher refinanziert?“ Das gibt’s nicht.
Aber jetzt kommt das Beste: 12 Jahre später, im Jahr 2025, haben Sie wahrscheinlich eine Anzeige – Handy-App oder so? Ich meine, Sie haben vielleicht keine, aber eine Anzeige hat man ja. Irgendjemand, der das vielleicht sogar mit einer Handy-App macht.
Wenn Sie an einem sonnigen Tag auf Ihre Handy-App gucken, lächeln Sie ja von morgens bis abends. Das ist wirklich so. Und Menschen, die so ein Ding 20 Jahre haben und nachgucken, was das gerade macht – 20 Jahre später lächeln die noch.
Entschuldigung: Welche Ihrer Investitionen in Ihrem Leben hat dafür gesorgt, dass Sie verlässlich an einem sonnigen Tag 20 Jahre später noch lächeln?
„Yeah!“ – Das war die beste Antwort des Tages. Respekt dafür. Wobei ich nicht weiß, ob „Investition“ das richtige Wort ist – aber großartig.
Das ist doch der Hammer. Da kann einem das Klima im Zweifel wurscht sein – allein dafür ist es die richtige Entscheidung.
Sie müssen ein bisschen sein wie Ameisen. Kennen Sie Ameisen? Sind so kleine Tiere. Wenn Sie die in der Küche haben, haben Sie echt ein Problem – das ist blöd. Aber im Wald habe ich gelernt: Die sind die Waldpolizei. Vielleicht haben Sie das schon mal gehört.
Man könnte sagen: Ameisen retten den Wald. Glauben Sie, weil Ameisen den Wald retten, gibt’s alle zwei Jahre eine Weltameisenvölkerkonferenz? Sicher nicht.
Es gibt biologisch auch keinen Ameisen-Kapo, der sagt: „Fünf Stöckchen, eine tote Fliege – sonst brauchst du gar nicht zurückkommen.“ Die einzelne Ameise weiß gar nicht, dass sie mit ihrem Verhalten den Wald rettet. Die geht einfach nur raus, und dann liegt da ein Stöckchen – das ist 40-mal so schwer wie sie selber. Und dann denkt sie sich: „Das stört mich jetzt aber wirklich in meiner persönlichen Umwelt.“ Und dann strengt sie sich richtig an und räumt das Stöckchen weg. So wird der Wald gerettet.
Wenn ich etwas sehe, was ich besser machen kann, dann strenge ich mich an – weil das nimmt mir kein Habeck und kein Merz ab. Ich mache es richtig. So wird der Wald gerettet.
Wir sind acht Milliarden Ameisen, und keinem ist die Welt egal – bis auf ein paar wenige Idioten.
Sie sind nicht alleine. Gehen Sie raus, strengen Sie sich an, retten Sie Ihre Welt.
Danke schön.
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Thomas Ranft: Ja, danke schön. Toll, dass Sie hier sind. Ich hoffe, Sie haben alle einen Stift dabei, denn ich bin der Chefwärmepumpenverkäufer der Stadtwerke Velbert. Also: Wir werden die Tür gleich schließen, und dann gibt’s kein Entkommen für Sie. Das war der erste Plan. Noch lachen Sie.
Mein Plan ist ja, dass ich Ihnen erst mal ordentlich schlechte Laune abliefere – und dass ich Ihnen dann sage, dass Sie die Welt retten. Wobei man sich ja schon fragen kann: Was macht denn jetzt hier der Wetterfuzzi? Was will der mir denn zu Wärmepumpen erzählen?
Und mal ganz ehrlich: Wenn wir bei so einem grauen, nicht vergnügungssteuerpflichtigen Wetter jemanden vorne auf die Bühne stellen – oder quasi hier vorne vor Sie stellen – der was zum Klima erzählt, das jetzt auch wenig spaßig ist: Ob das so eine gute Entscheidung war, Herr Berghaus, ich weiß es nicht. Aber es ist trotzdem schön, dass Sie da sind. Sie haben sich trotzdem hierher gekämpft.
Und dann muss ich mich fragen: Das bedeutet, das Thema ist Ihnen nicht egal. Also: Ich fürchte fast, ich trage Eulen nach Athen. Ja, weil Sie sind hier quasi die Koalition der Willigen. Die gibt’s ja … ist doch so, oder?
Wer von Ihnen findet Wärmepumpen doof? Damit ich mal ganz kurz weiß … Also, Sie finden es doof. So, okay, alles klar. Das ist gut, dass Sie mitmachen. Nein, das ist auch völlig … das ist perfekt.
Ich würde ganz gerne erst mal sagen, warum wir überhaupt darüber reden. Äh, weil wir haben da so ein … also, die ganz grundsätzliche Sache ist: Wir haben da so ein Klimading. Vielleicht haben Sie’s nicht so mitbekommen, ne? Kann ich verstehen: Nachrichten gucken ist selten spaßig, weil man dann immer so runtergezogen wird.
Es gibt ja Menschen, die schon sehr lange keine Nachrichten mehr verfolgen. Es gibt auch Menschen, die haben von Elon M. diesen 30-jährigen Marsurlaub geschenkt bekommen – wenn Sie dazu gehören: Ganz kurz erklärt, da geht’s um diesen Klimawandel.
Das sieht so aus: Das ist also hier die Erde, da leben wir eigentlich. Wenn Sie vom Mars kommen, sieht das ungefähr so aus – und dann wieder im Anflug quasi auf der Zielgeraden sieht’s so aus. Klimawandel: Das ist das, was in der Atmosphäre passiert. Können Sie die hier sehen? Nee. Wetterschicht. Ist zehn Kilometer dick. Das sehen Sie nicht. Ja, so wenig ist das, dass man denkt: immer total viel, was wir hier über uns haben – ist es eigentlich gar nicht.
Man nennt den Klimawandel übrigens auch den Treibhauseffekt. Vielleicht kennen Sie Treibhäuser, da wachsen die Tomaten besser. Vielleicht sind Sie aber auch eher aus der Wintergartenwelt. Oder Sie haben ein Auto ohne Klimaanlage und die Fenster gehen nicht auf. Dann haben Sie exakt den gleichen Effekt: Die Energie der Sonne – das ist Licht. Und wenn die Energie der Sonne, sprich das Licht, auf die Erde trifft, durch die Atmosphäre durchgeht, dann ist das der Atmosphäre erst mal total egal. Denn Sie können mit so viel Licht, wie Sie wollen, auf Luft schießen: Die wird nicht warm, da passiert gar nichts. Die Lichtwelle geht einfach durch.
Und dann kommt die Glasscheibe des Treibhauses – oder des Autos oder des Wintergartens. Und jetzt ist es spannend: Die Lichtwelle passt, sehr vereinfacht gesagt, zwischen den Glasmolekülen durch. Das heißt: Die geht da auch durch, und deswegen wird’s im Glashaus hell.
Aber natürlich wird die Luft immer noch nicht warm. Dann trifft die Lichtwelle auf Oberflächen, zum Beispiel auf den Boden. Und der absorbiert – in diesem Fall, weil er eher dunkel ist – einen nennenswerten Teil davon, nimmt also die Energie auf und wird dadurch wärmer. Und dann gibt er natürlich auch wieder Energie ab: Wärmestrahlung. Und wenn der jetzt nichts im Weg ist, geht die raus ins All – und dann haben wir ein Nullsummenspiel: Das, was reinkommt von der Sonne, geht auch wieder raus. Super.
Jetzt ist da aber dummerweise diese Glasscheibe. Und während die Lichtwelle zwischen den Glasmolekülen durchgepasst hat, hat die Wärmewelle eine andere Wellenlänge – die passt nicht mehr dazwischen. Deswegen wird die Wärme an der Glasscheibe reflektiert, und dann bleibt sie drin im Glashaus. Also: Licht der Sonne macht’s hell, und in der Folge wird’s warm.
Und jetzt nennt man das, was wir in der Atmosphäre erleben, deswegen auch Treibhauseffekt, weil – und das ist reine Physik – CO₂ wie ein paar andere Treibhausgase genau die richtige Größe haben. Wenn das Licht vorbeikommt, ist es ihm wurscht. Aber wenn die Wärmewelle vorbeikommt, dann absorbiert das CO₂ das. Dann nimmt das das auf und gibt es wieder selber ab – auch nach unten. Das heißt: Das, was normalerweise im All landen würde, bleibt zu einem Teil drin.
Konnten Sie mir soweit folgen? Es ist ja schließlich Wochenende, und Sie sind noch nicht so lange aus der Schule raus wie ich … aber jetzt Achtung, es kommt noch härter: Jetzt kommt Mathe erster Klasse.
Sie haben vielleicht manchmal auch diese Diskussion: Ich bekomme bis zum heutigen Tage lustige E-Mails, dass CO₂ nicht dafür verantwortlich ist und so was – und dass das ja total wenig CO₂ in der Atmosphäre sei. Das stimmt ja. Wir haben viel weniger CO₂ in der Atmosphäre als Sauerstoff oder Stickstoff oder so. Aber das ist total egal, weil jetzt kommt das mit der Mathe:
Wenn wir Zeug verbrennen und zusätzliches CO₂ in die Atmosphäre bringen, haben wir mehr CO₂ drin. Dann kann mehr „zurückgehalten“ werden, und dann wird’s natürlich wärmer. Das können Erstklässler hinkriegen. Das ist wirklich einfach.
Und als ich geboren wurde, hatten wir 311 parts per million CO₂ in der Atmosphäre. Jetzt sind wir deutlich über 400. Das heißt: Damals war es ein Viertel weniger … ein Viertel, Entschuldigung. Ich bin in Mathe auch nicht so gut gewesen, ich hab’s irgendwann abgewählt. Aber ich hab mir von Leuten, die sich damit auskennen, erklären lassen: Mit Mathe kannst du nicht diskutieren.
Gut. Ich bin in den Sechzigern geboren. Da war hier in der Region die weiße Wandfarbe noch nicht erfunden. Ich komme aus Recklinghausen – von daher: Ich weiß, wovon ich rede. Müssen wir doch mal ehrlich sein.
Also: Jetzt haben wir die Situation – es wird wärmer. Spüren Sie das schon? Gut, hier drin spüre ich es. Also, die Stadtwerke – da muss man sagen – die haben eine Superwärmepumpe hier auf allen Etagen richtig am … Ich bin reingekommen und hab gedacht: Das ist warm hier.
Spüren Sie die Erwärmung von … aktuell sind wir so bei roundabout 1,5 Grad. Wer von Ihnen fühlt’s? – Möchten Sie noch mal? Sie waren eben so schön dabei. Nee? Diesmal nicht? Sie haben auch recht. Ich glaube nicht, dass irgendjemand 1,5 Grad spüren kann.
Und das ist das elementare Problem von diesen ganzen Klimawissenschaftlern und deren Kommunikation. Seit Jahrzehnten machen die die dümmsten Aussagen, die man sich überhaupt vorstellen kann.
Denn wenn ich hier in Velbert in die Fußgängerzone gehe an einem Samstagvormittag, wo richtig viel los ist, und rufe in die Runde: „Wer hat Angst vor zwei Grad?“, dann meldet sich keiner. Wenn ich zu Leuten gehe und sage: „Pass auf, wenn wir zwei Grad Erwärmung haben, dann sterben wir alle“, dann denken die sich: „Du hast doch nicht alle. Zwei Grad am 15. November? Nimm ich – her damit! Dann brauche ich keine dicke Jacke.“
Zwei Grad: Das kapiert doch keiner, weil das so eine komische technische Größe ist. Wissenschaftler haben versucht, das irgendwo festzumachen, irgendeinen griffigen Begriff zu suchen – aber das ist der falsche. Warum passiert nichts? Weil keiner von den Normalmenschen, die nicht die ganze Zeit theoretische Physik machen, versteht, was das überhaupt bedeutet.
Aber Sie gehören jetzt gleich zum illustren Kreis, die verstehen werden, was Klimawandel tatsächlich ist. Oder wissen Sie’s schon? Nein? Also: Sie haben bisher auch gedacht „zwei Grad und die Welt geht unter“ – aber das ist ja falsch.
Sie bitte – Sie wollten sich eine neue Badehose kaufen. Das ist auch eine gute Idee, weil die Meeresspiegel steigen – dann schwimmen Sie demnächst. Nein, im Ernst:
Um es nachvollziehbar zu erklären: Stellen Sie sich vor, die Stadtwerke hätten vor 50 Jahren hier vor die Tür eine Temperaturmessstation gestellt. Eine ganz spezielle, die immer nur am 15. November die Höchsttemperatur misst. Seit 50 Jahren hätte man eine tolle Zeitreihe: die durchschnittliche Höchsttemperatur eines 15. November.
Und eines ist klar: In den vergangenen 50 Jahren gab es viele ganz durchschnittliche 15. November. Dann gab es ein paar, die waren echt kalt – da gab’s schon Schnee. Nicht ungewöhnlich Mitte November. Und dann gab’s ein paar so wie heute. Heute ist ja noch ganz schön warm, obwohl es da draußen … na ja.
Wenn Sie da eine Kurve drüber legen, sieht die aus wie so eine Glocke – eine sogenannte Normalverteilung. Was macht der Klimawandel? Der hebt die Glocke nicht einfach an, sondern er schiebt sie in Richtung warm. Können Sie das sehen?
Wir sehen also: Auch mit der Klimaerwärmung haben wir immer noch viel Durchschnittliches. Der Durchschnitt bleibt uns erhalten. Es gibt halt kaum noch „zu kalt“. Das Entscheidende ist: Sehen Sie, wie wenig Rot da vorher war – und wie viel es jetzt ist?
Anzahl der Hitzetage: Das ist keine Zunahme um 10, 20 oder 30 Prozent. Das ist eine Vervielfachung. Wir messen jetzt schon – obwohl der Klimawandel ja gerade erst so spürbar wird – eine Verdreifachung der Hitzetage über 30 Grad in Deutschland flächendeckend. Jetzt schon.
Und ich muss an dieser Stelle mal festhalten: Was ist die tödlichste Naturkatastrophe in Deutschland? Jeder denkt immer an Ahrtal. Da ist eine niedrige dreistellige Zahl an Menschen gestorben.
An Hitze sind in diesem Sommer – den ich gar nicht so spektakulär fand – in Deutschland nachweislich 2600 Menschen gestorben. Das hat keiner von uns auf dem Schirm. Das sind so viele Tote wie im Straßenverkehr, wo wir rote Ampeln haben, Airbags haben, uns anschnallen müssen, Tickets kriegen, wenn wir zu schnell fahren – wo wir alles tun, damit niemand stirbt. Bei Hitze sterben wir einfach weg, weil den meisten Menschen nicht klar ist, dass Hitze die tödlichste Naturkatastrophe ist. Weltweit betrachtet übrigens auch.
Das ist so – und das ist hässlich. Und es fängt ja gerade erst an. Und es funktioniert übrigens nicht nur bei Temperaturen, sondern auch bei anderen Extremwetterereignissen wie Starkregen. Den durchschnittlichen Regen wird’s auch in Zukunft noch geben, aber das, was vorher super selten war, wird jetzt häufiger. Und wenn Sie das sehen, dann ist das nicht, dass ich das irgendwie herleite mit irgendwelchen Klimamodellen oder so. Das ist reine Mathematik. Und mit der kann man nicht diskutieren. Wir können das nachweisen mit den Wetterdaten, mit den tatsächlichen Ereignissen: reine Mathematik.
Deswegen: Wenn Sie jetzt in Zukunft gefragt werden „Was bedeutet Klimawandel?“, dann antworten Sie wissenschaftlich hundertprozentig korrekt, wenn Sie sagen: Klimawandel ist eine extreme Zunahme von Extremen. Punkt. Das ist es. Und jedem, dem das Haus weggeschwommen ist, weiß: Das möchte ich nicht noch mal haben.
Meine Schwester wohnt in Bayern, in … da fließt die Paar vorbei. Das kennen Sie vielleicht noch: Anfang Juni letzten Jahres stand da Söder, Habeck und dieser – wie hieß dieser Bundeskanzler? – den vergisst man so schnell … standen da und haben sich quasi die braunen Fluten angeguckt, die auch durch das Erdgeschoss der Erdgeschosswohnung meiner Schwester geflossen sind.
Und weil der Nachbar noch eine Ölheizung hatte und der Tank nicht ganz dicht war, wohnt sie heute noch nicht wieder drin. Zwei der Nachbarhäuser sind komplett abgerissen worden. Bei ihr sah das Haus teilweise so aus: Da geht man mehrere Stufen hoch, bevor man überhaupt im Erdgeschoss ist. Und trotzdem: Haustür auf, und dann konnte man in den Keller gucken, weil sie sogar die Bodenplatte rausnehmen mussten. Das ist richtig hässlich. Vielleicht zieht sie im Frühjahr wieder ein. Das möchte keiner. Das ist extrem.
Und dann hört man: „Damit konnte man nicht rechnen.“ Ist klar. So. Jetzt verstehen Sie das Problem. Das ist nicht lustig. Und wer ist dafür verantwortlich? CO₂. Aber ist es tatsächlich das CO₂, das wir rauspusten? Diese Frage wird ja auch immer wieder gestellt.
Ich habe eine Grafik von der … Jetzt wird’s – also das ist, glaube ich, das komplizierteste, was ich Ihnen zeige. Es kommt nämlich nicht von mir, sondern von welchen, die es echt drauf haben: die Nationale Akademie der Wissenschaften.
Sie sehen eine Kurve ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Der obere Teil zeigt: Wo kommt das zusätzliche CO₂ her? Und der untere Teil: Wo geht’s hin?
Gucken wir erst mal an, wo kommt das CO₂ denn her? (Ups, jetzt habe ich es ausgemacht. Moment – machen wir es wieder an.)
Die Landnutzungsänderung, das ist der gelbe Teil. Also falls Sie schon mal den Urwald abgeholzt haben oder ein Moor trocken gelegt haben oder so, dann wird natürlich CO₂ freigesetzt. Das ist der gelbe Teil.
Es gibt ja ganz viele, die sagen: „Ah, wir müssen da was machen. Wir müssen Wälder aufforsten, pflanzen wir einen Baum, das hilft dem Klima.“ Ich muss – wenn ich mir diese Grafik angucke – sagen: Ja, bitte pflanzen Sie Bäume, bitte begrünen Sie Ihre Umwelt. Eine Schwammstadt ist total wichtig, um den Extremen besser entgegenzutreten. Wir brauchen Biodiversität, Artenvielfalt. Also: Bitte forsten Sie Wälder wieder auf.
Aber wenn Ihnen irgendjemand erzählen möchte, dass das den Klimawandel stoppt: 0,0. Der gelbe Teil ist nicht das Entscheidende. So viel Wald können Sie gar nicht aufforsten.
Hier sehen wir, wo das Problem ist: der braune Teil – Verbrennung fossiler Stoffe. Das, was den Klimawandel antreibt, ist: Wir verbrennen Zeug.
Und die einzige Möglichkeit, das zu stoppen – und jetzt kommt der Satz, den ich am allermeisten hasse – ist: Wir müssen aufhören, Zeug zu verbrennen.
Ich hasse den Satz wirklich. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – ich habe in meinem Leben total gerne Sachen verbrannt. Angefangen beim Grillabend bis zu: Wenn Autofans hier sind – ich habe mehr als ein Auto wegen des Geräuschs gekauft. Da hatten Sie einen CO₂-Ausstoß schon beim Anlassen, der den eines mittleren afrikanischen Staates irgendwie übersteigert.
Verstehen Sie, was ich meine? Jeder hier im Saal – egal wie alt oder jung Sie sind – ist ja in eine Zeit geboren, in der Verbrennen total normal ist. Mobilität oberhalb des Fahrrads: Da ist immer was verbrannt worden. Warm werden: Wir haben immer was verbrannt. Entweder im Ofen, unten im Keller oder irgendwo.
Wenn Sie Unternehmer sind und brauchen Prozesswärme: Solange ich denken kann, musste immer erst was verbrannt werden, damit wir die Energie haben – und zwar bis zum heutigen Tag.
Ich weiß gar nicht, wie das überall gehen soll ohne Verbrennen. Wir haben auch heute noch nicht für alles Antworten. Wie bitteschön komme ich mit dem Segelflieger in die USA? Das schaffe ich nicht. Wie soll das gehen? Ich will auch nicht mit dem Segelschiff übers Meer schippern – das ist mir zu schwabbelig. Da habe ich noch keine Antwort, und andere auch noch nicht.
Aber eines ist klar: Erstens, wir müssen das stoppen, weil das wird richtig hässlich. Und es geht nur darüber. Und das bedeutet: Wir müssen echt aufhören damit – insbesondere bei den Dingen, wo wir schon aufhören können. Ist ja nicht so, dass wir gar nichts können.
Warum? Weil ein Teil im Ozean landet. Die Ozeane nehmen nicht nur seit Jahrzehnten die zusätzliche Wärme zu 90 Prozent auf – das meiste landet ja gar nicht in der Atmosphäre. Das meiste landet im Meer. Deswegen hatte die Karibik ja jetzt noch 31 Grad Ende Oktober bei diesem Hurricane. 31 Grad im Oktober. Ende Oktober. Total krass.
Die nehmen auch einen Teil des CO₂ auf. Das heißt: Wir machen aus Meerwasser warmes Mineralwasser. Wenn Sie schon mal warmes Mineralwasser getrunken haben: Das ist eklig. Ich weiß nicht, ob Fische das mögen.
Ökosysteme an Land finden mehr CO₂ erstmal super – Pflanzen wachsen besser, da gibt’s nichts zu meckern. Aber 40 Prozent landen in der Atmosphäre, machen den Klimawandel – und jetzt kommt’s: Bleiben dort. Dieses CO₂ bleibt dort für 1000 Jahre.
Das ist nicht wie das Ding mit den FCKWs und dem Ozonloch: Kühlschränke und Spraydosen abgeschafft, 100 Jahre später ist es wieder gut. Überschaubares Problem. Lässt sich leicht lösen.
Aber das hier ist, als wenn Karl der Große was gemacht hätte und wir müssten es immer noch ausbaden.
Und plötzlich wird mir mein persönlicher Beitrag dazu schon klar: Einmal volltanken – 50 Kilo. Denke ich mir: Komm. Aber 50 Kilo mal 1000 Jahre ist halt doch viel.
Da kann man wirklich schlechte Laune bekommen. Aber ich will Ihnen gar nichts vorwerfen. Ich bin kein Deut besser. Wir sitzen alle im gleichen Boot, und ich fühle mich genauso unwohl.
Was ich erreichen möchte, ist, dass Sie vielleicht bei manchen Dingen so eine neue Nullinie bekommen: Was ist eigentlich normal? Was ist nicht normal? Was haben wir unterbewusst eingepreist, was nicht so ist?
Zum Beispiel Mobilität: Wir verbrennen Öl. Oder Heizung: Wir verbrennen Öl. Das ist für uns normal – haben wir nie drüber nachgedacht.
Ich fahre jetzt seit geraumer Zeit elektrisch. Ich habe aber noch einen Oldtimer. Der wird wenig bewegt, aber hin und wieder fahren wir damit. Wenn ich so eine Oldtimer-Rallye fahre, ist das total schön – wenn Sie es noch nicht gemacht haben: Das ist so ein gemeinsames Auto-Ding, macht Spaß. Und wenn da so Vorkriegsautos sind, dann fahre ich so hinterher und denke mir: „Geil, verbleites Benzin, super.“
Wenn ich mit meinen Kindern – die sind jetzt 13 und 15 – an der Tankstelle bin, an der Dieselzapfsäule, sagen die: „Boah, ist das eklig.“ Weil die eine andere Nullinie haben. Für die ist das gar nicht normal. Die sagen: „Das stinkt.“
Nur weil es für uns normal ist, ist es nicht normal. Und jetzt wird’s spannend: Öl verbrennen ist sogar menschheitsgeschichtlich nicht normal. Seit Christi Geburt ist Öl verbrennen wie eine Kerze in der Nacht. Wir haben so viele Jahrhunderte, so viele Jahrtausende gar kein Öl verbrannt.
Irgendjemand ist irgendwann auf die Idee gekommen: „Ach guck mal, ich habe hier so ein dreckig stinkendes Zeug – das könnte man doch mal verbrennen.“ Und dann war das eine gute Idee, aus vielerlei Gründen. Keine Frage. Hat uns wirtschaftliche Vorteile gebracht.
Aber eigentlich werden wir auch wieder damit aufhören – hoffentlich bevor es alle ist. Verbrennen bedeutet: weg. Kein Tropfen Öl, den wir verbrannt haben, wird jemals recycelt. Das ist weg. Das können wir nie wieder für Medikamente oder irgendwas anderes benutzen.
Und wenn wir über die Nullinie reden: Es sind nicht nur die stinkenden Finger. Es sind auch … wie viele Ölteppiche heute auf den Ozeanen? Hunderttausende. Das hat doch niemand von uns auf dem Schirm. Oder wenn mal jemand irgendwo Öl verliert – da denkt doch keiner drüber nach. Fragen Sie Biologen, was ein Tropfen Benzin im Erdreich macht.
Unsere Nullinie hat das eingepreist. Aber eigentlich ist es nicht normal.
Genauso wie das hier nicht normal ist. Hier drüben ist Köln. Hambacher Forst. Eigentlich war das mal ein Forst. Jetzt ist da ein großes Loch. Flächenmäßig passt Köln da zu großen Teilen rein. Und ich garantiere Ihnen: Wenn Sie alle Gebäude Kölns mit allen Stadtteilen und Dom und Kanalisation abreißen, in das Loch reinschmeißen – es ist nicht voll.
Und das ist ja nur ein Loch. Garzweiler ist da oben – da passt Mönchengladbach rein. Egal wie viele Löcher wollen Sie sich noch angucken?
Ich war am Mittwoch auf Zollverein – da gibt’s zwar kein Loch, das sichtbar ist, aber: Die haben 13.000 Tonnen Kohle jeden Tag rausgeholt. 13.000 Tonnen jeden Tag – die ja auch jeden Tag verbrannt wurde. Eine wertvolle Ressource.
Und am Ende ist es egal, ob es Kohle ist oder Öl oder Lithium: Jede Ressource zählt.
Stellen Sie sich mal vor, Sie würden in 13.000 Tonnen Windräder denken oder in 13.000 Tonnen Batterien. Die werden nicht verbrannt. Die benutzen Sie 20 Jahre – und danach können Sie sie recyceln und wieder benutzen. Das ist was ganz anderes.
Also dieses Verbrennen: Ich kann verstehen, das ist praktisch und das macht ja auch Sinn. „Soll ich ein altes Auto weiterfahren? Das ist doch nachhaltig.“ Nee. Weil Sie jeden Tag weiter verbrennen – und das ist viel mehr, als das Ding einmal zu bauen.
Ich nehme mal ein BMW-Beispiel: Da gibt’s so einen Vierer, den gibt’s als i4 elektrisch – und Sie können auch einen 420d kaufen, das gleiche Auto.
Wenn Sie das Auto bauen und 250.000 km nutzen – so eine durchschnittliche Nutzungsdauer eines Automobils in Deutschland – und Sie nehmen das elektrische Modell: Alle eingesetzten Ressourcen für den Bau und die Nutzung von 250.000 km (die Reifen rechnen wir mal nicht mit): Wie viele Kilo können Sie nicht recyceln? Ich löse auf: gut 100.
So: Beim Verbrennermodell 420d – bauen, 250.000 km nutzen (ohne Reifen): Wie viel der eingesetzten Ressourcen können Sie nicht recyceln? 17 Tonnen.
Keiner denkt den Sprit mit. Jeder denkt nur: „Ja, aber da habe ich doch nicht diese 600-Kilo-Batterie.“ Ja, die 500 Kilo Batterie – die ist gleich erledigt, weil die 500 Kilo Sprit haben Sie ruckzuck verbrannt, und der ist für immer weg. Wir haben das nicht auf dem Schirm.
Und am Ende ist Öl genauso viel wert wie Wasser oder Sand. Jede Ressource zählt. Und klimatisch ist das andere sowieso besser – aber das ist ja nicht die Geschichte des heutigen Tages.
Also: Sie sehen, das ist so eine … das hatten wir eingepreist. In den Sechzigern war das normal. Da haben wir einfach damit gelebt. Da hat sich ja schon was geändert.
Und wenn Sie sich diese – das darf man schon als Umweltkatastrophe bezeichnen – wenn Sie sich diese Katastrophe anschauen, dann ist die folgende noch viel katastrophaler. Viel katastrophaler.
Sie müssen erst mal auf der linken Seite gucken: Hier ist die A44. Wenn Sie von Kassel nach Dortmund fahren, vor Paderborn kommen Sie aus dem Wald raus, geht so ein bisschen bergab. Ich habe, als ich da lang gefahren bin – ich musste nach Paderborn – ich habe aus Versehen nach rechts geguckt. Ich bin vor Schreck fast in die Leitplanke gefahren.
Sehen Sie die ökologische Katastrophe? Sie sehen die nicht? Ja, ich habe gedacht, das ist wie ein Sonnenblumenfeld – aber es sind halt lauter Windräder. Keine Ahnung: 50, 60, 70 Windräder. Sehen Sie das? Das ist der pure Wahnsinn.
Ich war in Paderborn, auch auf so einer Veranstaltung, und habe die Leute gefragt: „Sagen Sie, wie ist denn das mit so vielen Windrädern?“ Da kommt dann: „Ach ja …“ Und dann hört der Satz auf. Mehr müssen es jetzt nicht werden, aber ja.
Ich habe extra noch mal rangezoomt: Sehen Sie den brutalen Flächenverbrauch des Windrades? Da fährt der Schlepper ja fast gegen den Turm. Ja, natürlich braucht das Beton. Es gibt ja immer wieder: „Das braucht aber so viel Beton.“ Ja, stimmt.
Und wenn das Ding 25 Jahre lang steht: Danach – die Bauleute wissen das – machen Sie aus einem Betonfundament wieder ein Betonfundament. Ich glaube, über 90 Prozent. Kann man Beton recyceln? Wo ist das Problem?
Wenn Sie nach 25 Jahren sagen: „Das möchte ich da nicht mehr haben“, dann bauen Sie es ab, und dann fährt der Schlepper halt keine Kurve mehr, sondern geradeaus.
Stellen Sie sich vor, das wäre ein Wald: Dann würden Sie es abbauen, dann wächst danach wieder ein Wald. Und übrigens: Wald – das muss ich ja jetzt leider auch mal sagen – gerade so viele Kahlflächen durch die Dürreperioden … Ich komme aus Hessen – das ist hässlich. Hier ja auch, und in Thüringen: Der Thüringer Wald ist ja entwaldet. Hunderttausend Hektar sind platt. Das sind meistens solche Gebiete: Da ist kein Wald. Da könnten Sie locker Windräder hinbauen in einer windhäufigen Region, weil da ist die nächsten 50 Jahre auf keinen Fall Wald. Das tut jetzt überhaupt nicht weh, wenn da ein Schlepper durchfährt und wenn da mal ein Kabel verlegt wird und wenn da mal an dieser einen Stelle der Boden verdichtet wird – das ist total wurscht.
Klar: Guckt man auch, ob der Rotmilan fliegen muss und so was. Es muss ja auch nicht überall hingestellt werden. Aber wir haben ja Möglichkeiten.
Und wenn ich das ins Verhältnis setze zu den anderen Dingen: Ja, das hat einen Einfluss auf die Umwelt. Und ja, ich finde schon: Eine Umwelt ohne Windräder ist wahrscheinlich hübscher als eine mit. Aber wenn ich es ins Verhältnis setze, kann ich damit besser leben.
Und ich sag mal: Ein Sonntagsspaziergang, und dann stehen da Windräder – das stört mich weniger, als wenn ich mit der Schwiegermutter sonntags durchs Gewerbegebiet laufen müsste. Nichts gegen die Stadtwerke, aber die meisten Gewerbegebiete sind viel hässlicher. Also: Dinge ins Verhältnis setzen, ob man das mag oder nicht mag. Ich finde, das ist legitim. Deswegen muss man nicht alles gut finden.
Und jetzt muss ich mal fragen: Was haben Velbert, New York und Shanghai gemeinsam? Wissen Sie es? Velbert – die haben ähnlich groß … also Sie sind auf einem Level quasi. Müssen sich gar nicht klein fühlen. New York und Shanghai haben ein paar mehr Häuser als Sie – aber nee: Sie haben alle Dächer. Das ist total verrückt. Und das sind Google-Maps-Bilder.
Ist ein Suchspiel übrigens: „Finde die Solaranlage.“ Und jetzt sehen Sie es: Irgendwo ist hier eine Solaranlage.
Das Interessante ist übrigens: In New York können sich Leute einen Pool leisten. Hier kann sich auch jemand einen Pool leisten. Und jetzt wird’s völlig absurd: Wer sich einen Pool leisten kann, aber keine Solaranlage auf dem Dach hat – das verstehe ich wirklich nicht. Das verstehe ich wirklich nicht.
Warum zeige ich Ihnen das? Es gibt ja völlig zu Recht die Frage: „Das Energiesystem einfach mal so umbauen – wie soll das denn gehen bei den Mengen?“ Jetzt fangen wir doch mal mit den – neudeutsch, ist aber Englisch – low hanging fruits an. Den tiefhängenden Früchten. Das, wo man sich nicht anstrengen muss.
Eine Solaranlage aufs Dach dübeln ist keine Raketenwissenschaft. Das könnte ich selber, wenn ich es dürfte. Bin aber kein Elektriker, darf ich nicht. Und natürlich muss das Stadtwerk auch sagen: „Übrigens, das geht auch in Ordnung.“ Das kommt drauf an. Wahrscheinlich haben Sie einen Speicher dazu geplant – aber wer das im Jahr 2025 macht, ist sowieso selber schuld, keinen Speicher zu nehmen. Und bei den Speicherpreisen ist das ja inzwischen auch kein Problem mehr.
Bis wir all diese Dächer global belegt haben, da geht schon mal Zeit ins Land. Da haben wir schon einen riesen Schritt gemacht. Vielleicht fangen wir einfach mal mit den Dingen an, die wir können – die wir heute können –, ohne dass es jemandem weh tut. Weil: Das kostet kein Geld – das spart Geld.
Was kostet der Strom gerade, die Kilowattstunde, bei den Stadtwerken? 31,99? Darf ich sagen, wie viel Solarstrom, eigenproduziert auf dem Dach, in Deutschland im Schnitt kostet? Fünf bis acht Cent. Gehen wir mal von acht Cent aus – von mir aus auch zehn – zu 31: Das ist einfach nur eine Frage.
Und man gönnt sich ja auch sonst manchmal Dinge, weil man findet, es ist eine gute Idee. Aber das ist einfach auch was im Geldbeutel.
Und wenn Sie sagen: „Gut, aber ich halte das mit den guten Nachrichten nicht aus. Ich stürze mich sowieso nächstes Jahr in die Gruft“ – dann muss man auch einfach mal sagen: Das ist ja Ihre Immobilie, möglicherweise. Wenn Sie Immobilienbesitzer sind: Das ist Ihr Vermögen, das Sie möglicherweise weitergeben. Und das ist Werterhalt.
Alles, was Sie energetisch machen – von der Wärmepumpe über Solar, egal was – sichert den Wert Ihrer Immobilie. Da können die Leute von der Sparkasse was dazu sagen: Wenn Sie einen Kredit brauchen oder was auch immer, der ist teurer, wenn Sie nicht saniert haben. Die Verkaufspreise unterscheiden sich um mehr als die Sanierungskosten. Ein unsaniertes Haus ist deutlich billiger als ein unsaniertes plus saniertes zu einem richtig gemachten Haus. Das heißt: Sie machen eigentlich Geld kaputt, wenn Sie es nicht tun.
Und bei – ich sag mal – im Schnitt acht Cent: Da muss ich auch kein Matheprofessor sein. Das kann man leicht hinkriegen.
Und jetzt wird’s noch besser: Unter dem Dach ist ein Haus. Da leben oder arbeiten Menschen, die üblicherweise Strom verbrauchen. Bisher musste der immer durchs Kabel durch. Im Neubaugebiet, glaube ich, liefern die Stadtwerke fast nichts mehr, weil: Wenn die alle Solar haben, da geht kaum noch was rein oder raus. Das entlastet ja das Grundkonzept unseres Energiesystems, das bisher so zentralistisch war. Dezentral entlastet das System.
Jetzt muss man darüber legen: Wie ist das steuerbar? Ist das regelbar? Kann das einzeln laufen? Ist das autark? Wie ist das vernetzt? Hat das die gleiche Software? Natürlich gibt’s da Fragen.
Wenn Sie einen Speicher haben: Natürlich ist die berechtigte Frage: Kann ich da Strom nachts einspeichern, wenn zu viel da ist – und dann nehme ich den wieder raus? Kann ich damit Geld verdienen?
Übrigens: Seit vorgestern Nacht habe ich gelernt – geht. Ja, es gab da eine wunderbare Entscheidung. In Berlin haben sie tatsächlich auch ein paar richtig gute Entscheidungen getroffen: Speichertechnologie – wenn Sie ein E-Auto haben und das dran hängt – können Sie mit dem E-Auto Geld verdienen, indem Sie sagen: „Immer wenn es nachts dran hängt, dürfen die bei mir ein bisschen Strom reinnehmen oder rausnehmen, wie sie möchten.“ Da muss man keine besonderen Netzentgelte mehr bezahlen, und dann können Sie damit übers Jahr Geld verdienen. Dann verdienen Sie mit dem Auto Geld, obwohl Sie keine Taxilizenz haben. Das finde ich wunderbare Entwicklungen, die Ihnen persönlich helfen, aber auch dem Netz helfen. Das ist absolut netzdienlich, weil es dafür sorgt, dass wir nicht noch mehr Trassen bauen müssen.
Und ganz nebenbei: In einer Welt, wo die Experten der Bundeswehr, die Sicherheitsfachleute, sagen, dass Putin die NATO 2029 testen wird – finde ich, wenn man in die Ukraine guckt, dezentrale Stromversorgung super. Weil so 20 Gaskraftwerke und 38 Umspannwerke macht man viel leichter kaputt als 100.000 Solaranlagen. Die kriegen Sie nämlich nicht so leicht kaputt. Es gibt viele Gründe, warum man darüber nachdenken darf.
Haben Sie ein bisschen schlechte Laune? Ich würde sagen: So langsam biegen wir in den unterhaltsamen Teil ein, obwohl das nächste Bild für mich recht erschütternd ist.
Das habe ich im Internet gefunden, von einer Firma, die Häuser baut. Vielleicht leben Sie auch in so einem Haus und haben ein Geschmacksbild. Ich weiß: Geschmack liegt im Auge des Betrachters. Finden Sie dieses Haus schön? Ich find’s unmöglich. Ich oute mich. Ich find’s unmöglich.
Ich kann Ihnen auch genau sagen, warum: Ich finde immer, dass Architekten … manchmal habe ich das Gefühl, dass Architekten selber nicht leben oder dass ihnen beim Konstruieren des Hauses die Legosteine ausgegangen sind. Warum haben die keinen Dachüberstand? War die Bauplatte zu klein und es hat nicht mehr gereicht?
Ein Haus ohne Dachüberstand in Zeiten von Klimawandel: Wenn die Sonne reinknallt und Sie null Schatten haben. Wenn Sie bei jedem Regenguss – sei er noch so schwach – plötzlich Wasser auf der gedämmten Fassade haben. Die Fassade ist gedämmt, das trocknet nicht so schnell. Dann haben Sie das Wasser drauf.
Und heute ist die Luft viel sauberer als vor 30 Jahren. Deswegen haben wir Flechten in der Luft. Die weiße Wand wird wieder grau – so wie in den Sechzigern –, wenn Sie die nass werden lassen. Ein Dachüberstand würde übrigens auch bedeuten, dass Sie mehr Solaranlagen oder mehr Solarzellen da oben drauf packen. Aber das ist ein neues Haus: Der hat noch nicht mal Solaranlagen drauf. Und wer – wie ich – ein neues Haus ohne Wärmepumpe kauft: Das sind zwei Dinge … also der hat ganz bestimmt keine Wärmepumpe. Das verstehe ich erst recht nicht.
Und das zieht sich ja durch: Dieses Haus ist ja in einer grünen Hölle gebaut. Da gibt’s kein einziges Insekt. Das Einzige, was ich dem wünschen würde, wäre der Buchsbaumzünsler.
Wir wissen, dass die Sonne knallt und dass es heiß wird. Der hat noch nicht mal eine Markise. Diese zwei halbschrägen Schirme da – das kann doch nichts. Und es ist übrigens ein wunderbar barrierefreies Haus. Das ist toll: Da kann man nicht nur mit dem Rollator rein und raus – sondern beim Starkregen fließt das Wasser ungehindert ins Wohnzimmer rein. Das ist wirklich bekloppt. In diesem Bild sind so viele Fehler – ich weiß gar nicht …
Vielleicht zeigt dieses Bild aber auch, wie wenig gemeinschaftsdienlich dieser Mensch denkt. Gerade beim Thema Hochwasser: Das Haus liegt niedriger. Ich glaube, der denkt sich: „Wenn Wasser kommt, läuft’s beim Nachbarn rein.“ Das finde ich nicht schön.
Insbesondere, weil es ja anders viel schöner ginge. Zum Beispiel im Geschosswohnungsbau: Das ist ein Bild aus Genf. Früher zwischen so Zeilenbauten hatten Sie so eine flache grüne Wiese und ein halbschräges Schaukelgerüst und was zum Wäscheaufhängen. Leute: Dieses verrostete Metall-Ding – das ist doch viel schöner.
Wenn es da heiß ist, kühlt das. Wenn Sie rausgucken, macht’s viel mehr Spaß. Sehen Sie: Das ist ein offener Boden, der in der Mitte runtergeht. Wenn da Hund und Katze vom Gewitter runterkommt: Bis das vollgelaufen ist, ist das Gewitter schon wieder weitergezogen. Das ist ein aktiver Hochwasserschutz.
Und möglicherweise sind die nicht nur gedämmt, sondern haben auch eine zentrale Wärmepumpe, die all diese Gebäude versorgt. Dann haben Sie wirklich für kleines Geld die Heizung, Sie haben ein schönes Umfeld – das geht. Das kostet, glaube ich, auch nicht die Welt. Das ist einfach nur: anders denken.
Wir werden in Zukunft anders wohnen müssen. Und wenn das so aussieht, habe ich gar nichts gegen Zukunft. Sind Sie mit mir einer Meinung? Ja, ist ganz schön, oder? Kann man aushalten.
So, und wenn wir jetzt noch mal über Wärmepumpe reden: Wer von Ihnen glaubt, dass Wärmepumpe in jedes Haus geht? Gott – kaum jemand.
Ich zeige Ihnen mal ein Haus, das steht in Friedrichsdorf, Hochtaunuskreis. Die haben „HG“ als Kennzeichen – das bedeutet: „Habe Geld“. Das ist ein Professor, dem die Umwelt auch nicht egal ist.
Der hat dieses über 100 Jahre alte Haus gekauft. Das ist wunderschön: Hohe Decken, Stuck, großartige Böden, teilweise Buntglasfenster, natürlich diese verschieferte Fassade. Der hat schon – wie man sieht – neue Fenster. Und der wollte das energetisch sanieren.
Und dann hat er geguckt und gesagt: „Ich kann es nicht dämmen. Wenn ich diese Fassade dämme, ist das Haus kaputt.“ Das kann man nicht machen. Von innen dämmen funktioniert auch nicht – mit diesen Wänden und dem Stuck und so. Kann man nicht machen.
Er war ein bisschen verzweifelt, aber hat nicht locker gelassen. Und das ist der Unterschied: Der hat nicht locker gelassen. Und dann hat er sich informiert, hat sich was rangeholt.
Was hat der jetzt? Der hat inzwischen das komplette Dach belegt mit Solar. Das ist ziemlich groß. Der produziert im Sommer viel mehr Strom, als er braucht. Er hat einen Elektrolyseur. Das heißt: Der macht aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff. Hier steht so ein … kennen Sie so ein Mülltonnenhäuschen aus Metall? Da steht so ein Mülltonnenhäuschen – da sind die Gasflaschen drin.
Das heißt: Der speichert über den Sommer dort den Wasserstoff. Und damit kann er die Wärmepumpe auch im Winter betreiben. Der hat ein paar Heizkörper austauschen müssen. Der hat also keine Fußbodenheizung oder so. Und er hat eine leicht aktive Belüftung: Stehen Sie davor – das spüren Sie kaum. Aber das verteilt die warme Luft, dass sie nicht erst gemütlich nach oben steigt und unten bleibt’s kalt, sondern dass Sie gleich eine behagliche Wärme haben.
Es funktioniert wunderbar. Hat gekostet – ich musste mich festhalten – 160.000 Euro. Gut: Das ist eine Millionenvilla. Und er sagt: Hätte ich es klassisch saniert, wäre es ein ähnlicher Betrag gewesen. Das ist eine Menge Hirnschmalz gewesen. Vielleicht wird das jetzt normaler.
Aber das bedeutet: Wenn es da geht, sage ich, geht’s fast überall. Es ist nur eine Frage, ob ich es will, ob ich bereit bin, anders zu denken. Es ist mehr Aufwand, keine Frage. Aber es geht überall.
Und wenn Sie den fragen: Der ist zufrieden. Und kann man Zufriedenheit kaufen? In diesem Falle anscheinend schon.
Trotzdem: Wenn wir die Realität anschauen – Sanierungsquote in Deutschland: knapp 0,7 Prozent, war es glaube ich im letzten Jahr. Die meisten Häuser stammen aus den Fünfzigern, als die Winter kalt und die Sommer nicht heiß waren. Nichts davon ist gedämmt. Da muss man sagen: Das geht schief.
Oder wer glaubt, das geht schief – das schaffen wir nicht? Herr Berghaus glaubt es. „Das geht schief.“ Dieses „Wir schaffen das nicht“ ist übrigens auch manchmal bei mir vorherrschend.
Ich weiß gar nicht: Wie viel Zeit habe ich denn noch? Zehn Minuten?
Manchmal – gerade auch wenn man Nachrichten hört, Klimakonferenzen, und dann sind die USA nicht dabei, Trump macht irgendwas Lustiges, und dann kommen komische Entscheidungen – da habe auch ich oft das Gefühl: Mist, das geht schief. „Wir schaffen das nicht“ ist die logische Schlussfolgerung.
Aber ich kann Ihnen sagen: Das stimmt nicht. Wenn Sie glauben, wir schaffen das nicht, dann haben Sie nicht recht. Ich muss mir das auch immer wieder einreden, weil wir so viele schlechte Nachrichten hören – auch was den Klimawandel angeht, und Wärmewende, Energiewende und was auch immer. Immer hören wir, was alles nicht funktioniert.
Das ist übrigens auch das Wesen von Medien: Die sagen natürlich immer nur, wo das Problem ist – und nie, wo was super läuft.
Das stimmt aber nicht. Ich mach’s mal an ein paar Beispielen klar. Schauen wir’s mal global an:
Vor zehn Jahren hat sich die Welt auf dieses komische 1,5-Grad-Ziel geeinigt – in Paris. Aber wir waren damals auf einem 4-Grad-Erwärmungspfad. Das ist eine Mad-Max-Welt. Dystopisch. Da wollen wir nicht leben. So standen wir damals da.
Heute, zehn Jahre später, sind wir immer noch bei 2,8 Grad Erwärmung. Immer noch eine Welt, in der unglaublich viel kaputt geht – wo man es kaum aushalten kann. Aber drehen wir’s doch mal um:
Die Welt ist in zehn Jahren 1,2 Grad besser geworden. Die Welt ist in zehn Jahren 1,2 Grad besser geworden. Das ist doch krass. Das finde ich total krass.
Weil wir in Deutschland haben dazu überschaubar wenig beigetragen. Wir sind schon ein bisschen besser geworden, aber – jetzt zitiere ich tatsächlich mal Herrn Merz – „wir sind ja nur 2 Prozent“.
Ja, also wenn Sie denken: „Was hilft’s denn, wenn ich was mache?“ Nee, nee, nee – das ist nicht die Frage. Die anderen machen schon. Natürlich macht jeder anders. Natürlich ist niemand perfekt. Wir sind es ja auch nicht.
Was machen wir alles falsch in Deutschland? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll aufzuzählen. Da sind die anderen auch nicht besser. Aber alle machen was. Wir sind 1,2 Grad besser geworden.
Und um das an ein paar Beispielen festzumachen: Reden wir noch mal über diese Dächer, über Solaranlagen. Es gibt die Internationale Energieagentur und ganz viele Experten, die weltweit gucken: Was tut sich denn? Wie ist der Ausbau? Mit was muss man rechnen?
Ich zeige Ihnen jetzt eine Kurve – ganz viele Kurven. Die gelben sind die Prognosen der Experten, und das Schwarze ist die Wirklichkeit: Der Solarausbau der vergangenen Jahre global.
Und es gibt keine einzige Prognose der Experten – nicht eine –, die die Wirklichkeit auch nur annähernd darstellt. Die Welt ist viel besser, als es Experten vermuten. Jedes Mal. Jedes Mal.
Selbst in 2024 eine Prognose zu machen ist dramatisch daneben gegriffen, obwohl das Ding schon an Fahrt aufgenommen hat. Da denkt man sich: Warum denn? Warum soll das denn hier abbiegen?
Das ist das Wesen von Disruption: Dass selbst die Experten völlig unterschätzen, wie es plötzlich vorwärts geht.
Ich kann das auch noch mal an Zahlen festmachen. Solaranlagenleistung: 1 Gigawatt – das ist so … in Hessen: Biblis, das Atomkraftwerk, hatte früher 1 Gigawatt Leistung. Klar, das kann rund um die Uhr laufen – Solar nicht. Deswegen brauchen Sie mehrere Gigawatt für die gleiche Energiemenge. Aber nur mal, um die Leistung anzugucken:
1 Gigawatt Solarleistung – da haben wir 2004 ein Jahr weltweit gebraucht, um das hinzubauen. 2015 haben wir es in einer Woche geschafft. 2023 in einem Tag. Und das Geilste ist: Allein China hat in diesem April jeden Tag eineinhalb Gigawatt Solarleistung hingebaut. Allein China. Jeden Tag eineinhalb.
Und jetzt schauen Sie sich Atomkraftwerke an: Im ersten Halbjahr wurde eins neu ans Netz genommen – in Indien – und zwei wurden stillgelegt. Eins in Chile, eins in Belgien … ich finde, das sagt alles.
Wenn der Herr Söder davon träumt – und er ist, glaube ich, nicht der einzige –, dass Atomkraft weltweit eine Renaissance erlebt: Von mir aus darf er dafür träumen. Es darf ja jeder träumen, was er möchte. Das ist legitim. Die Realität überholt ihn aber locker.
Es gibt weltweit 450 … 400 … Atomkraftwerke. Und es sind ein paar im Bau, aber das sind weniger als 20, die geplant sind. Und dann baust du zehn Jahre, wenn es schnell ist – wenn nicht, dauert’s länger. Dann hast du Milliarden ausgegeben und produzierst den mit Abstand teuersten Strom.
Solarstrom bei uns in Deutschland ist ja nicht der günstigste. Windstrom onshore – also an Land – ist ja noch günstiger als Solar. Da kommst du mit Atomkraft gar nicht hin. Gar nicht. Das macht keinen Sinn.
Wer heute Atomkraft forciert, sagt das nicht aufgrund von Fakten, sondern weil er nur das, was es im Moment gibt, nicht möchte. Das ist ja auch okay. Es darf ja jeder sagen, was er will. Man darf unterschiedliche Meinungen haben.
Wichtig ist nur, dass andere sehen, was tatsächlich Fakt ist.
Es gibt ja auch Menschen, die sagen, Borussia Dortmund wäre der beste Verein der Welt – und das ist natürlich auch richtig. Aber wenn Sie in Bayern fragen, dann sagen die: „Stimmt nicht.“ Da wissen Sie: Das ist berechtigt – darf ja jeder seine Meinung haben. Es hilft aber manchmal, wenn man auf die Tabelle guckt.
Ich bin kein Bayernfan – Eintracht –, aber ja.
Übrigens: Beim Wind ist es nicht ganz so extrem, aber auch da sind wir nicht so schlecht. Ende September hatten wir in Deutschland 66 Gigawatt – also 29.000 Windkraftanlagen. 3,3 Gigawatt sind neu gebaut. Genehmigt sind 15. Das nimmt Fahrt auf.
Früher hat das ja auch Jahre gedauert, bis man es hinkriegt. Jetzt dauert die Genehmigungsphase 17 Monate. Das ist gut ein Viertel schneller als noch im vergangenen Jahr. Also wir sind in diesem Jahr schon schneller geworden bei den Genehmigungen.
Das heißt: Wenn Sie heute beschließen, Sie machen was, Sie haben das Geld, und die Kommune sagt: „Ach, das finden wir gut“, dann dreht sich das Ding in vier Jahren spätestens. Das ist eine ganz andere Dimension. Das ist viel einfacher. Viel einfacher.
Also: Das ist doch hoffnungsvoll. Das ist hoffnungsvoll – auch wenn wir in die Zukunft schauen.
Ja, das Wetter wird schon hässlich. Das wird nicht schön. Wir werden viel mehr Extreme haben, als wir das jetzt schon erleben. Das ist noch nicht mal das neue Normal – das geht Schritt für Schritt weiter.
Und ich will gar nicht die ganz großen Dramen ansprechen, was passiert, wenn der Golfstrom abbricht. Das würden meine Kinder noch erleben. Das wäre arktisches Meereis im März vor Hamburg und so. Das kann wirklich passieren. Wir haben eine Fifty-Fifty-Chance, dass das passiert. So dicht sind wir da dran an diesem Drama.
Das wäre alles nicht schön. Also: Das Wetter wird wirklich hässlicher – aber unsere Städte werden schöner. Weil wir die umbauen müssen, damit wir das überhaupt aushalten. Die werden grüner werden. Wir werden mit der Mobilität hoffentlich ein bisschen anders sein – und das sage ich, obwohl ich Autofan bin. Und wir werden das mit der Energie auch anders haben.
In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts – ich weiß nicht, ob ich das noch erlebe – kommen wir an einen Punkt, wo Energie einfach so da sein wird. Warum? Heute kaufen wir jeden Tag Brennstoff ein, der jeden Tag verbrannt wird. Aber parallel beginnen wir schon jeden Tag Energieerzeugungsanlagen zu bauen, die 20 Jahre und länger stehen und jeden Tag produzieren.
Dann ist es eine einfache Rechnung, wann es passiert, dass wir einfach Energie überhaben – dass wir noch nicht mal mehr neu bauen müssen, sondern vielleicht nur ersetzen. Aber das ist dann einfach da.
Natürlich wird Strom dann nicht umsonst sein: Netze müssen betrieben werden, Anlagen gewartet werden und so. Aber das ist eine Wertschöpfung, die hier bleibt. Da mache ich nicht Katar damit reich oder so. Das finde ich charmant.
Sie haben eine Frage dazu?
Ja – das kann man sich noch nicht vorstellen. Und natürlich wird es nicht so sein, dass Solaranlagen einfach den Hochofen betreiben können. Undenkbar. Aber wir werden das über Wasserstoff lösen können. Denn wenn Sie so viele Erzeugungsanlagen haben, dann können Sie es sich leisten, daraus Wasserstoff zu machen.
Im Moment ist das noch nicht so sinnvoll, weil Sie für die gleiche Energiemenge – wenn Sie das als Strom machen – ein Windrad brauchen, und wenn Sie Wasserstoff machen, drei Windräder, wegen Wandlungsverlusten. Deswegen ist das im Moment einfach zu teuer.
Aber wenn Sie eh so viel haben und anders das Geschäftsmodell nicht läuft, dann läuft es selbstverständlich über Wasserstoff.
Ein gutes Beispiel ist China: Die haben zuerst unsere Solarindustrie platt gemacht, weil sie festgestellt haben, das ist ein Businessmodell, dann die Windenergie, dann Batterien, jetzt E-Autos – und jetzt machen sie gerade einen neuen Fünfjahresplan. Jetzt nehmen die das ganze Geld und bauen eine grüne Wasserstoffwirtschaft auf.
Dann entwickeln die alles, dann bilden sich Unternehmen, zack zack zack, dann entsteht ein riesiger Wettbewerb, dann gehen die Preise nach unten. Und dann wird das so sein, dass China der nächste Öllieferant ist – weil die haben nämlich selber keine Ölquellen. Dann sagen die: „Dann machen wir das halt.“ Dann bauen die nicht LNG-Tanker, sondern Wasserstofftanker.
Und wenn wir nicht aufpassen, wenn wir zu langsam sind mit unserem Wasserstoff, dann fahren die Tanker demnächst von China zu uns. Und dann geht das tatsächlich auch für den Hochofen. Das wird die Lösung sein, die machbar ist. Und die großen Player wollen das tatsächlich so. Vielleicht nicht überall in Deutschland, aber die großen Player wollen es.
Vielen Dank. Ich versuche, das jedem zu erzählen. Und es gibt auch immer noch eine Menge Menschen, die da zuhören. Aber es gibt eben auch die Aussage – ich habe es gestern oder vorgestern erst wieder bei einer Tagung gehört: Da habe ich gesprochen, danach kam jemand anders und sagte: „Aber wir müssen das auch mal mit wirtschaftlicher Machbarkeit verbinden.“ Und deswegen müsse man dieses Wunschdenken zurückstellen, weil es müsse ja auch für unsere Wirtschaft passen.
Und jetzt konnte ich nicht mehr antworten, aber ich bin der Überzeugung, dass der chinesische Weg der klügere ist, weil er langfristig wirkt.
Es hilft überhaupt nichts, wenn ich – aktuelle Entscheidung der Bundesregierung – einen Industriestrompreis für zwei Jahre zur Verfügung stelle. Da wird kein Konzern sagen: „Deswegen bleibe ich in der Bundesrepublik.“ Zwei Jahre sind nix.
Viel mehr würde helfen, wenn man sagt: Wir ertüchtigen unsere Netze so, dass wir langfristig viel intelligenter, nachhaltiger und günstiger Strom machen – selbst wenn es sich heute noch nicht auszahlt. Dann sind mehr Konzerne dabei, hier zu bleiben und Wirtschaft am Laufen zu halten. Das ist meine Überzeugung. Vielleicht habe ich damit nicht recht.
Aber China ist da tatsächlich genau richtig unterwegs.
Deswegen: Man kann sich das heute teilweise noch nicht vorstellen, dass Energie dann einfach da sein wird. Das ist so wie … ich war in den Neunzigern auf einer Veranstaltung bei T-Systems und war ein sehr früher Mobiltelefonnutzer. Das erste Telefon hat fünfstellig gekostet, im Auto fest eingebaut. Unglaublich – kann man sich gar nicht mehr vorstellen.
Wobei: Die teuren iPhones sind ja gar nicht mehr viel billiger – aber das ist eine andere Geschichte.
Und da sagte mir Herr Ranft von T-Systems, dieser Experte: „Wissen Sie, Mobilfunk – das mit der Sprachtelefonie – das ist irgendwann unwichtig. Das kriegen Sie geschenkt. Daten sind das neue Thema.“ In den Neunzigern. Und ich sagte: „Was erzählen Sie mir denn? Ich zahl gerade 2 Mark 36 die Minute!“
Und heute ist es doch so: Sie kriegen ja gar keinen Sprachtarif mehr, da geht’s nur noch um Gigabyte. Sprache kriegen Sie irgendwie mit. Die würden Ihnen wahrscheinlich sogar ohne Vertrag Sprache schenken – weil das total egal ist.
Ganz so wird’s natürlich nicht sein bei Energie. Aber das, was man sich damals nicht vorstellen konnte, ist heute Wirklichkeit. Dass ich über mein Handy Filme gucke – undenkbar damals.
Wenn wir diese Bereitschaft behalten, dass Zukunft tatsächlich auch einen Traum möglich macht – klingt ja erstmal wie ein Traum oder eine Utopie –, aber wir leben heute die Utopie von vor 20 Jahren, von vor 50 Jahren, von vor 100 Jahren. Vor 100 Jahren war völlig undenkbar, dass Menschen heute so leben, wie wir leben. Das hört nicht auf.
Wenn wir das zulassen, ist in unserer Zukunft ganz viel denkbar. Und die Zukunft wird selbstverständlich Wärmepumpe werden – fast überall.
Denn wenn Sie – zum Glück haben Sie hier nicht die Not, dass es ein Fernwärmenetz gibt. Weil Fernwärme läuft ja jetzt mit Gas in so Städten, und dann müsste das irgendwann Wasserstoff werden, aber bis dahin läuft es die ganze Zeit noch mit Gas. Da haben Sie als Einzelne gar keine Einflussmöglichkeit. Und dann irgendwann kommt das vielleicht mit Wasserstoff, und dann muss es „batsch“ funktionieren.
Das ist so, als wenn Sie zur Schule gehen und sagen: „Okay, du sollst Abitur machen, aber 12 Jahre musst du nicht lernen. Am Schluss kriegst du dann alles hin. Vorher schreibst du keine Arbeiten mit und lernst nichts – aber dann schreibst du bitte eine Eins.“ Das geht nicht so richtig.
Und das große Problem ist: Der Wasserstoff muss halt auch produziert werden. Und selbst wenn das günstig ist: Sie brauchen mehr elektrischen Strom, um den herzustellen, als wenn Sie den elektrischen Strom einfach nur für die Wärmepumpe nehmen – wo Sie aus 1 Kilowatt Strom 4 Kilowatt Wärme machen. Auch das bitte. Die Sonne liefert’s umsonst.
Jetzt wird man natürlich sagen: „Im Winter nicht. Die berüchtigte Dunkelflaute.“ Da kann ich als Wetterfuzzi was dazu sagen: Das Risiko einer Dunkelflaute liegt statistisch in Deutschland alleine bei drei Tagen im Jahr.
Weil wir aber in einem europäischen Verbundnetz sind, was Strom angeht – zum Glück –, fließt permanent Strom hin und her. Da fließt Strom von Portugal nach Spanien. Dann geht er nach Frankreich, dann kommt er von Frankreich nach Deutschland. Wir verkaufen ihn nach Polen, die haben gerade zu viel, dann geht er nach Tschechien, dann nach Österreich, dann wieder zu uns. Es läuft alles gleichzeitig nach Dänemark. Permanent fährt der Strom in Europa spazieren, damit die Netze stabil sind. Das ist total normal.
Deswegen ist es auch richtig, dass wir es europäisch denken. Und eine europäische Dunkelflaute gibt’s statistisch an 0,3 Tagen.
Und wenn man dann sieht, dass jetzt mit der Entscheidung dieser Woche Großspeicher zugelassen werden – also richtig große Megawatt-Speicherbatterien – und dass da so viele Anträge sind, weil so viele Menschen da schon Geld investieren wollen, dann kommen wir da auch drüber.
Eine Frage noch, und dann würde ich ganz gerne … Das stimmt. Wir werden für KI mehr Strom brauchen. Wir werden für Wärmepumpen mehr Strom brauchen. Wir werden für Autos mehr Strom brauchen. Wir brauchen mehr Strom. Von daher muss man schon noch mal deutlich was hinbauen.
Aber dafür, dass in China über 50 Prozent der Neuwagen komplett elektrisch sind, die letztes Jahr 10 Prozent Wirtschaftswachstum hatten und zum Ende des Jahres weniger CO₂-Ausstoß in der Stromproduktion hatten als im Jahr zuvor, muss ich sagen: Die beweisen, das geht. Die pusten immer noch unglaublich viel raus – viel zu viel – aber der Tanker hat schon angefangen, sich zu drehen.
Das Entscheidende ist, dass wir nicht sagen: „Da müssen erst mal die anderen anfangen.“ Das Entscheidende ist, dass wir verstehen, dass ich es selber mache.
Wer von Ihnen hat denn eine Solaranlage? Länger als 10 Jahre? 15 Jahre? Sie? Sie haben eine Anlage länger als 15? 12 Jahre?
Als Sie die vor 12 Jahren gebaut haben – da waren doch die Fragen: Wie viele Paneele passen aufs Dach? Wer montiert’s mir? Was kostet der Spaß? Wie hoch ist die Einspeisevergütung? Speicher wahrscheinlich nicht vor 12 Jahren. Nee: Speicher nicht.
Und die wichtigste Frage: Wie lange dauert’s, bis es sich refinanziert? Bei Ihnen nicht? Okay. Aber bei vielen ist das die Frage.
Stellen Sie sich diese Frage übrigens auch beim nächsten Küchenkauf. Oder beim Fernseher: „Wie lange dauert’s, bis sich der Fernseher refinanziert?“ Das gibt’s nicht.
Aber jetzt kommt das Beste: 12 Jahre später, im Jahr 2025, haben Sie wahrscheinlich eine Anzeige – Handy-App oder so? Ich meine, Sie haben vielleicht keine, aber eine Anzeige hat man ja. Irgendjemand, der das vielleicht sogar mit einer Handy-App macht.
Wenn Sie an einem sonnigen Tag auf Ihre Handy-App gucken, lächeln Sie ja von morgens bis abends. Das ist wirklich so. Und Menschen, die so ein Ding 20 Jahre haben und nachgucken, was das gerade macht – 20 Jahre später lächeln die noch.
Entschuldigung: Welche Ihrer Investitionen in Ihrem Leben hat dafür gesorgt, dass Sie verlässlich an einem sonnigen Tag 20 Jahre später noch lächeln?
„Yeah!“ – Das war die beste Antwort des Tages. Respekt dafür. Wobei ich nicht weiß, ob „Investition“ das richtige Wort ist – aber großartig.
Das ist doch der Hammer. Da kann einem das Klima im Zweifel wurscht sein – allein dafür ist es die richtige Entscheidung.
Sie müssen ein bisschen sein wie Ameisen. Kennen Sie Ameisen? Sind so kleine Tiere. Wenn Sie die in der Küche haben, haben Sie echt ein Problem – das ist blöd. Aber im Wald habe ich gelernt: Die sind die Waldpolizei. Vielleicht haben Sie das schon mal gehört.
Man könnte sagen: Ameisen retten den Wald. Glauben Sie, weil Ameisen den Wald retten, gibt’s alle zwei Jahre eine Weltameisenvölkerkonferenz? Sicher nicht.
Es gibt biologisch auch keinen Ameisen-Kapo, der sagt: „Fünf Stöckchen, eine tote Fliege – sonst brauchst du gar nicht zurückkommen.“ Die einzelne Ameise weiß gar nicht, dass sie mit ihrem Verhalten den Wald rettet. Die geht einfach nur raus, und dann liegt da ein Stöckchen – das ist 40-mal so schwer wie sie selber. Und dann denkt sie sich: „Das stört mich jetzt aber wirklich in meiner persönlichen Umwelt.“ Und dann strengt sie sich richtig an und räumt das Stöckchen weg. So wird der Wald gerettet.
Wenn ich etwas sehe, was ich besser machen kann, dann strenge ich mich an – weil das nimmt mir kein Habeck und kein Merz ab. Ich mache es richtig. So wird der Wald gerettet.
Wir sind acht Milliarden Ameisen, und keinem ist die Welt egal – bis auf ein paar wenige Idioten.
Sie sind nicht alleine. Gehen Sie raus, strengen Sie sich an, retten Sie Ihre Welt.
Danke schön.
Video: Podiumsdiskussion
Video-Transkript
Ich möchte jetzt zur Diskussion auf die Bühne bitten – für die Podiumsdiskussion natürlich unseren Keynote-Speaker Thomas Ranft, der gleich mit nach vorne kommen wird. Wir haben aber auch die Referenten des Nachmittags dabei. Das ist einmal Matthias Göbel vom Bundesverband Kälte-Wärme-Netze e.V. Hallo Herr Göbel, schön, dass Sie da sind.
Dann haben wir Herrn Sven Kersten vom Bundesverband Wärmepumpe e.V. Der hat, wie gesagt, auch einen Stand hier, nimmt aber jetzt ebenfalls an der Diskussion teil und hat später auch noch einen Vortrag.
Aus Velbert – für Velbert, Velberter kennen die Abkürzung – die WoBau, die Wohnungsbaugesellschaft. Diese Abkürzung ist sicherlich auch in anderen Städten nicht unbekannt. Also: die Velberter Wohnungsbaugesellschaft. Hier ist Daniel Juliani, der auch mit nach vorne kommen wird. Hallo Herr Juliani, grüße Sie.
Eine Besonderheit – und dafür sind wir auch sehr dankbar: Das sind ja alles Vertreter von Verbänden und Unternehmen. Wir haben hier aber auch einen Herrn dabei, der sich unter Sie geschlichen hat, meine Damen und Herren. Der sitzt irgendwo unter Ihnen. Ich habe ihn schon gesehen – Sie noch nicht. Sie werden ihn jetzt gleich sehen. Es ist Herr Zündorf. Er ist Bürger hier in Velbert und Heiko Zündorf hat heute Nachmittag etwas ganz Spannendes zu berichten. Es dreht sich – Sie werden sich vielleicht wundern – um die Wärmepumpe. Auch hier heute herzlich willkommen.
Und jetzt haben wir über viele technische Themen gesprochen. Herr Ranft hat es auch schon angesprochen: Alles bringt nichts, wenn ich keine Patte habe. Und für die Patte – fürs Geld, für den schnöden Mammon – ist unsere Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert da. Frau Zoschke und Herr Bertling kommen ebenfalls mit nach vorne und werden mit uns diskutieren. Grüß Sie, hallo.
Und zum Schluss – Sie sehen, wir bekommen hier vorne den Platz voll – möchte ich auch noch unseren Geschäftsführer Tobias Grau mit auf die Bühne bitten, der sich ebenfalls Ihren Fragen stellen wird.
Ja, meine Damen und Herren: Gibt es denn direkt Fragen Ihrerseits? Haben wir Hände in der Luft? Da geht schon eine hoch. Das Mikro kommt – wunderbar. Dann brauche ich tatsächlich keine vorbereitete Frage zu stellen. Bitte.
Publikum: Ich habe eine kurze Frage an Herrn Ranft. Gibt es aus Ihren Daten, die wir gerade gesehen haben, einen Auszug, den wir irgendwo online oder auf andere Weise zugänglich bekommen können?
Thomas Ranft: Das, was Sie eben gesehen haben – die Stadtwerke haben es von mir. Aus meiner Sicht können Sie das gerne herausgeben, da ist ja nichts Geheimnisvolles dabei.
Moderator: Danke schön.
Thomas Ranft: Sehr gern.
Moderator: Ja, das stellen wir dann auf die Homepage zur Dokumentation der Veranstaltung. Können Sie dann gerne herunterladen. Weitere Fragen Ihrerseits?
Publikum: Ganz hinten vielleicht. Die Stadt Velbert ist jetzt, glaube ich, hier nicht direkt vertreten, aber die Stadtwerke müssen ja auch die Wärmeplanung erstellen. Die muss, glaube ich, bis 2026 fertig sein. Ich wollte mal fragen, wie weit das gediehen ist mit dieser Wärmeplanung, die die Politik da auf den Weg gebracht hat.
Antwort: Ja, dazu kann ich gerne etwas sagen. In der Tat ist die Wärmeplanung – vielleicht für diejenigen, die noch nicht so tief im Thema sind – eine Verpflichtung aus Bundes- und Landesgesetz, die die Kommune, also die Stadt Velbert, trifft. Bis Mitte 2028 muss eine solche kommunale Wärmeplanung vorliegen.
Das ist eine Leitplanung. Es wird also nicht am grünen Tisch festgelegt, was in jedem einzelnen Haus passieren muss. Vielmehr wird auf Basis von Kriterien ermittelt und prognostiziert, was für bestimmte Bereiche in Velbert künftig die effizienteste und sinnvollste Art der Wärmeversorgung ist.
Diese Wärmeplanung ist bei der Stadt Velbert gestartet. Sie liegt in der Verantwortung der Stadt. Wir als Stadtwerke – und da haben Sie ins Schwarze getroffen – sind daran beteiligt, auch maßgeblich, weil viele Daten, auf deren Basis Prognosen erstellt werden, von uns kommen.
Insofern: Ja, die Wärmeplanung ist gestartet. Rein rechtlich hätte man bis Mitte 2028 Zeit. Ich gehe aber davon aus, ohne dem Projektplan vorzugreifen, dass im Laufe des nächsten Jahres konkrete Ergebnisse vorliegen werden. Dann wären wir in Velbert sogar vor der Zeit – was wir als Stadtwerke sehr begrüßen.
Moderator: Vielen Dank. Da habe ich direkt die Frage, die wahrscheinlich hier alle interessiert: Wenn dann Mitte nächsten Jahres herauskommt, dass ein großartiges Fernwärmenetz gebaut wird und jedes Haus angeschlossen werden kann – dann wäre ich ja blöd, wenn ich jetzt eine Wärmepumpe kaufe. Gibt es da einen Trend? Sie brauchen ja auch eine gewisse Entscheidungssicherheit.
Antwort: Ja, wir als Stadtwerke haben da tatsächlich einen relativ klaren Blick drauf. Wenn man sich Velbert in seiner Topologie ansieht, haben wir einen stark besiedelten Innenstadtkern und zwei weitere Zentren – Neviges und Langenberg.
In diesen Bereichen kann es durchaus sein, dass sich bei hoher Wärmedichte auf engem Raum leitungsgebundene Wärme durchsetzt. Aber wir sehen derzeit nicht, dass das flächendeckend passieren wird. Vielmehr sehen wir, dass die Wärmepumpe auch im Bestand eine große Rolle spielen wird.
Vielleicht eine Zahl dazu: Ich hatte vorhin gesagt, etwa 15.000 Gebäude in Velbert. Allein 8.000 davon sind Einfamilien- und Reihenhäuser. Das sind Versorgungssituationen, die für Wärmepumpen grundsätzlich sehr geeignet sind.
Moderator: Vielleicht noch eine kurze Ergänzung?
Antwort: Ja. Das Thema Gebäudeenergiegesetz war ja politisch sehr emotional. Heute haben wir aber eine gute Situation: Über 50 % aller Sanierer haben sich inzwischen für ein stromgeführtes Wärmepumpensystem entschieden. Das heißt: Die Technik setzt sich durch. Natürlich bringt die kommunale Wärmeplanung eine gewisse Zeitverzögerung, aber sie schafft auch Sicherheit. Und die strombasierte Wärmelösung wird auf jeden Fall eine Rolle spielen.
Moderator: Vielleicht gibt es noch eine Frage?
Publikum: Ja, ich habe eine Frage. Ein 50 Jahre altes Dach – welche technischen Voraussetzungen braucht man, um darauf Solarpaneele zu installieren? Und die zweite Frage an die Stadtwerke: Wie lange können wir in Velbert noch mit einer Gasversorgung rechnen?
Antwort: Vielleicht zuerst zum Dach. Die WoBau Velbert besitzt viele Dächer, und nach 50 Jahren sollte man grundsätzlich überlegen, das Dach komplett anzufassen – also zu dämmen und die Statik zu prüfen. Grundsätzlich gilt: Man kann fast jedes Dach nutzen.
Bei Eigentümergemeinschaften muss man sich natürlich einigen. Wenn man energetisch sinnvoll sanieren möchte, braucht man entsprechende Beschlüsse. Aber technisch ist sehr vieles möglich.
Es gab auch gesetzliche Änderungen – Stichwort Solarpaket –, die vieles erleichtert haben. Beispielsweise kann in einem Mietshaus ein Eigentümer eine Solaranlage aufs Dach setzen und den Strom an die Mieter verkaufen. In Eigentümergemeinschaften kann man es gemeinsam betreiben oder auch Modelle finden, bei denen eine Person die Anlage betreibt und den Strom verkauft.
Antwort (Gasfrage): Es gibt keinen Gasausstiegsbeschluss der Stadtwerke. Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass ab 2045 Erdgas nicht mehr als Energieträger für Wärme eingesetzt werden soll. Wir beabsichtigen, unser Gasnetz bis dahin aufrechtzuerhalten.
Es besteht also keine Notwendigkeit, jetzt panisch aus dem Gas auszusteigen. Aber: Ein Gasnetz verursacht hohe Fixkosten. Wenn immer weniger Menschen Gas nutzen, verteilen sich diese Kosten auf weniger Verbraucher. Das bedeutet, dass die Netzentgelte langfristig steigen werden.
Das sehen wir heute schon und das wird uns in den nächsten Jahren begleiten.
Moderator: Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich hatte noch Hände gesehen. Wir können noch eine Frage aufnehmen.
Publikum: Erstmal vielen Dank für den Vortrag. Ich war vorher schon überzeugt – jetzt bin ich es noch mehr. In vier Monaten stelle ich von Gas auf Wärmepumpe um. Dabei habe ich festgestellt, dass es noch versteckte Kosten gibt. Wenn ich vom Gasnetz abgekoppelt werde, kostet das eine vierstellige Summe. Warum ist das so?
Antwort: Vielen Dank für die Frage. Genau deshalb machen wir solche Veranstaltungen – damit man auch diese Punkte kennt.
In Velbert kostet das Abtrennen eines Gas-Hausanschlusses etwa 2.200 Euro. Das liegt daran, dass eine Baumaßnahme notwendig ist. Der Boden muss geöffnet werden, die Leitung wird getrennt und anschließend wird die Oberfläche wieder hergestellt.
Es gibt dabei drei Varianten:
Erstens: Der Gaszähler wird ausgebaut, die Leitung bleibt aber unter Druck. Dafür fallen etwa 100 bis 125 Euro jährlich an, weil wir als Netzbetreiber weiterhin Kontrollen durchführen müssen.
Zweitens: Die Leitung wird an der Hauptleitung physisch getrennt und stillgelegt. Dafür entstehen die erwähnten Kosten von rund 2.200 Euro.
Drittens: Die Leitung wird komplett aus dem Grundstück entfernt. Dann wird der Vorgarten geöffnet und die Leitung vollständig herausgenommen. Das wird individuell nach Aufwand berechnet.
Diese Varianten können Sie frei wählen.
Moderator: Vielen Dank. Intensive Frage zum Schluss. Man merkt: Das Thema beschäftigt Sie. Es waren noch einige Hände oben, aber ich möchte Sie bitten, diese Fragen mit in die Pause zu nehmen.
Wir haben jetzt 11:45 Uhr. Sie haben etwa ein gutes Stündchen Zeit. Lassen Sie uns um 13 Uhr hier wieder treffen.
Unten wartet etwas für Leib und Seele – Sie finden etwas zu essen und zu trinken. Nutzen Sie die Zeit gerne, um sich auch die Ausstellung anzusehen und mit den Ausstellern zu sprechen.
Auch Herr Ranft wird dort sein. Wer möchte, kann ihn in der Pause gerne ansprechen. Es gibt sogar noch ein paar Autogrammkarten der ARD.
Ich würde mich freuen, wenn Sie anschließend wieder so zahlreich hier erscheinen. Unsere Podiumsgäste werden am Nachmittag noch kürzere, fachlich fokussierte Impulsvorträge halten.
Kommen Sie also gerne wieder, stärken Sie sich, sprechen Sie mit den Referenten – und dann sehen wir uns gleich hier wieder. Vielen Dank.
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Ich möchte jetzt zur Diskussion auf die Bühne bitten – für die Podiumsdiskussion natürlich unseren Keynote-Speaker Thomas Ranft, der gleich mit nach vorne kommen wird. Wir haben aber auch die Referenten des Nachmittags dabei. Das ist einmal Matthias Göbel vom Bundesverband Kälte-Wärme-Netze e.V. Hallo Herr Göbel, schön, dass Sie da sind.
Dann haben wir Herrn Sven Kersten vom Bundesverband Wärmepumpe e.V. Der hat, wie gesagt, auch einen Stand hier, nimmt aber jetzt ebenfalls an der Diskussion teil und hat später auch noch einen Vortrag.
Aus Velbert – für Velbert, Velberter kennen die Abkürzung – die WoBau, die Wohnungsbaugesellschaft. Diese Abkürzung ist sicherlich auch in anderen Städten nicht unbekannt. Also: die Velberter Wohnungsbaugesellschaft. Hier ist Daniel Juliani, der auch mit nach vorne kommen wird. Hallo Herr Juliani, grüße Sie.
Eine Besonderheit – und dafür sind wir auch sehr dankbar: Das sind ja alles Vertreter von Verbänden und Unternehmen. Wir haben hier aber auch einen Herrn dabei, der sich unter Sie geschlichen hat, meine Damen und Herren. Der sitzt irgendwo unter Ihnen. Ich habe ihn schon gesehen – Sie noch nicht. Sie werden ihn jetzt gleich sehen. Es ist Herr Zündorf. Er ist Bürger hier in Velbert und Heiko Zündorf hat heute Nachmittag etwas ganz Spannendes zu berichten. Es dreht sich – Sie werden sich vielleicht wundern – um die Wärmepumpe. Auch hier heute herzlich willkommen.
Und jetzt haben wir über viele technische Themen gesprochen. Herr Ranft hat es auch schon angesprochen: Alles bringt nichts, wenn ich keine Patte habe. Und für die Patte – fürs Geld, für den schnöden Mammon – ist unsere Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert da. Frau Zoschke und Herr Bertling kommen ebenfalls mit nach vorne und werden mit uns diskutieren. Grüß Sie, hallo.
Und zum Schluss – Sie sehen, wir bekommen hier vorne den Platz voll – möchte ich auch noch unseren Geschäftsführer Tobias Grau mit auf die Bühne bitten, der sich ebenfalls Ihren Fragen stellen wird.
Ja, meine Damen und Herren: Gibt es denn direkt Fragen Ihrerseits? Haben wir Hände in der Luft? Da geht schon eine hoch. Das Mikro kommt – wunderbar. Dann brauche ich tatsächlich keine vorbereitete Frage zu stellen. Bitte.
Publikum: Ich habe eine kurze Frage an Herrn Ranft. Gibt es aus Ihren Daten, die wir gerade gesehen haben, einen Auszug, den wir irgendwo online oder auf andere Weise zugänglich bekommen können?
Thomas Ranft: Das, was Sie eben gesehen haben – die Stadtwerke haben es von mir. Aus meiner Sicht können Sie das gerne herausgeben, da ist ja nichts Geheimnisvolles dabei.
Moderator: Danke schön.
Thomas Ranft: Sehr gern.
Moderator: Ja, das stellen wir dann auf die Homepage zur Dokumentation der Veranstaltung. Können Sie dann gerne herunterladen. Weitere Fragen Ihrerseits?
Publikum: Ganz hinten vielleicht. Die Stadt Velbert ist jetzt, glaube ich, hier nicht direkt vertreten, aber die Stadtwerke müssen ja auch die Wärmeplanung erstellen. Die muss, glaube ich, bis 2026 fertig sein. Ich wollte mal fragen, wie weit das gediehen ist mit dieser Wärmeplanung, die die Politik da auf den Weg gebracht hat.
Antwort: Ja, dazu kann ich gerne etwas sagen. In der Tat ist die Wärmeplanung – vielleicht für diejenigen, die noch nicht so tief im Thema sind – eine Verpflichtung aus Bundes- und Landesgesetz, die die Kommune, also die Stadt Velbert, trifft. Bis Mitte 2028 muss eine solche kommunale Wärmeplanung vorliegen.
Das ist eine Leitplanung. Es wird also nicht am grünen Tisch festgelegt, was in jedem einzelnen Haus passieren muss. Vielmehr wird auf Basis von Kriterien ermittelt und prognostiziert, was für bestimmte Bereiche in Velbert künftig die effizienteste und sinnvollste Art der Wärmeversorgung ist.
Diese Wärmeplanung ist bei der Stadt Velbert gestartet. Sie liegt in der Verantwortung der Stadt. Wir als Stadtwerke – und da haben Sie ins Schwarze getroffen – sind daran beteiligt, auch maßgeblich, weil viele Daten, auf deren Basis Prognosen erstellt werden, von uns kommen.
Insofern: Ja, die Wärmeplanung ist gestartet. Rein rechtlich hätte man bis Mitte 2028 Zeit. Ich gehe aber davon aus, ohne dem Projektplan vorzugreifen, dass im Laufe des nächsten Jahres konkrete Ergebnisse vorliegen werden. Dann wären wir in Velbert sogar vor der Zeit – was wir als Stadtwerke sehr begrüßen.
Moderator: Vielen Dank. Da habe ich direkt die Frage, die wahrscheinlich hier alle interessiert: Wenn dann Mitte nächsten Jahres herauskommt, dass ein großartiges Fernwärmenetz gebaut wird und jedes Haus angeschlossen werden kann – dann wäre ich ja blöd, wenn ich jetzt eine Wärmepumpe kaufe. Gibt es da einen Trend? Sie brauchen ja auch eine gewisse Entscheidungssicherheit.
Antwort: Ja, wir als Stadtwerke haben da tatsächlich einen relativ klaren Blick drauf. Wenn man sich Velbert in seiner Topologie ansieht, haben wir einen stark besiedelten Innenstadtkern und zwei weitere Zentren – Neviges und Langenberg.
In diesen Bereichen kann es durchaus sein, dass sich bei hoher Wärmedichte auf engem Raum leitungsgebundene Wärme durchsetzt. Aber wir sehen derzeit nicht, dass das flächendeckend passieren wird. Vielmehr sehen wir, dass die Wärmepumpe auch im Bestand eine große Rolle spielen wird.
Vielleicht eine Zahl dazu: Ich hatte vorhin gesagt, etwa 15.000 Gebäude in Velbert. Allein 8.000 davon sind Einfamilien- und Reihenhäuser. Das sind Versorgungssituationen, die für Wärmepumpen grundsätzlich sehr geeignet sind.
Moderator: Vielleicht noch eine kurze Ergänzung?
Antwort: Ja. Das Thema Gebäudeenergiegesetz war ja politisch sehr emotional. Heute haben wir aber eine gute Situation: Über 50 % aller Sanierer haben sich inzwischen für ein stromgeführtes Wärmepumpensystem entschieden. Das heißt: Die Technik setzt sich durch. Natürlich bringt die kommunale Wärmeplanung eine gewisse Zeitverzögerung, aber sie schafft auch Sicherheit. Und die strombasierte Wärmelösung wird auf jeden Fall eine Rolle spielen.
Moderator: Vielleicht gibt es noch eine Frage?
Publikum: Ja, ich habe eine Frage. Ein 50 Jahre altes Dach – welche technischen Voraussetzungen braucht man, um darauf Solarpaneele zu installieren? Und die zweite Frage an die Stadtwerke: Wie lange können wir in Velbert noch mit einer Gasversorgung rechnen?
Antwort: Vielleicht zuerst zum Dach. Die WoBau Velbert besitzt viele Dächer, und nach 50 Jahren sollte man grundsätzlich überlegen, das Dach komplett anzufassen – also zu dämmen und die Statik zu prüfen. Grundsätzlich gilt: Man kann fast jedes Dach nutzen.
Bei Eigentümergemeinschaften muss man sich natürlich einigen. Wenn man energetisch sinnvoll sanieren möchte, braucht man entsprechende Beschlüsse. Aber technisch ist sehr vieles möglich.
Es gab auch gesetzliche Änderungen – Stichwort Solarpaket –, die vieles erleichtert haben. Beispielsweise kann in einem Mietshaus ein Eigentümer eine Solaranlage aufs Dach setzen und den Strom an die Mieter verkaufen. In Eigentümergemeinschaften kann man es gemeinsam betreiben oder auch Modelle finden, bei denen eine Person die Anlage betreibt und den Strom verkauft.
Antwort (Gasfrage): Es gibt keinen Gasausstiegsbeschluss der Stadtwerke. Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass ab 2045 Erdgas nicht mehr als Energieträger für Wärme eingesetzt werden soll. Wir beabsichtigen, unser Gasnetz bis dahin aufrechtzuerhalten.
Es besteht also keine Notwendigkeit, jetzt panisch aus dem Gas auszusteigen. Aber: Ein Gasnetz verursacht hohe Fixkosten. Wenn immer weniger Menschen Gas nutzen, verteilen sich diese Kosten auf weniger Verbraucher. Das bedeutet, dass die Netzentgelte langfristig steigen werden.
Das sehen wir heute schon und das wird uns in den nächsten Jahren begleiten.
Moderator: Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich hatte noch Hände gesehen. Wir können noch eine Frage aufnehmen.
Publikum: Erstmal vielen Dank für den Vortrag. Ich war vorher schon überzeugt – jetzt bin ich es noch mehr. In vier Monaten stelle ich von Gas auf Wärmepumpe um. Dabei habe ich festgestellt, dass es noch versteckte Kosten gibt. Wenn ich vom Gasnetz abgekoppelt werde, kostet das eine vierstellige Summe. Warum ist das so?
Antwort: Vielen Dank für die Frage. Genau deshalb machen wir solche Veranstaltungen – damit man auch diese Punkte kennt.
In Velbert kostet das Abtrennen eines Gas-Hausanschlusses etwa 2.200 Euro. Das liegt daran, dass eine Baumaßnahme notwendig ist. Der Boden muss geöffnet werden, die Leitung wird getrennt und anschließend wird die Oberfläche wieder hergestellt.
Es gibt dabei drei Varianten:
Erstens: Der Gaszähler wird ausgebaut, die Leitung bleibt aber unter Druck. Dafür fallen etwa 100 bis 125 Euro jährlich an, weil wir als Netzbetreiber weiterhin Kontrollen durchführen müssen.
Zweitens: Die Leitung wird an der Hauptleitung physisch getrennt und stillgelegt. Dafür entstehen die erwähnten Kosten von rund 2.200 Euro.
Drittens: Die Leitung wird komplett aus dem Grundstück entfernt. Dann wird der Vorgarten geöffnet und die Leitung vollständig herausgenommen. Das wird individuell nach Aufwand berechnet.
Diese Varianten können Sie frei wählen.
Moderator: Vielen Dank. Intensive Frage zum Schluss. Man merkt: Das Thema beschäftigt Sie. Es waren noch einige Hände oben, aber ich möchte Sie bitten, diese Fragen mit in die Pause zu nehmen.
Wir haben jetzt 11:45 Uhr. Sie haben etwa ein gutes Stündchen Zeit. Lassen Sie uns um 13 Uhr hier wieder treffen.
Unten wartet etwas für Leib und Seele – Sie finden etwas zu essen und zu trinken. Nutzen Sie die Zeit gerne, um sich auch die Ausstellung anzusehen und mit den Ausstellern zu sprechen.
Auch Herr Ranft wird dort sein. Wer möchte, kann ihn in der Pause gerne ansprechen. Es gibt sogar noch ein paar Autogrammkarten der ARD.
Ich würde mich freuen, wenn Sie anschließend wieder so zahlreich hier erscheinen. Unsere Podiumsgäste werden am Nachmittag noch kürzere, fachlich fokussierte Impulsvorträge halten.
Kommen Sie also gerne wieder, stärken Sie sich, sprechen Sie mit den Referenten – und dann sehen wir uns gleich hier wieder. Vielen Dank.
Video: Impulsvortrag
Video-Transkript
Ich freue mich, dass wir heute unseren Impulsvortrags-Bereich eröffnen – mit einem Vortrag des Bundesverbandes Kalte Wärmenetze. Dafür ist Herr Göbel hier bei uns und ich freue mich, ihm jetzt das Mikrofon überreichen zu können. Er wird noch einmal ein Stück weit in Richtung Wärmeplanung und CO₂ schauen und das Thema aus dieser Perspektive beleuchten.
Matthias Göbel: Ja, vielen Dank, Herr Berghaus. Vorgestellt bin ich ja schon worden. Ich freue mich natürlich, hier ein paar allgemeine Informationen geben zu können. Und ich muss sagen: toll, auch die große Resonanz. Ich stehe tatsächlich bundesweit auf entsprechenden Bühnen – und da ist es nicht immer so. Deswegen erst einmal ein herzliches Dankeschön.
So, einmal habe ich schon weitergedrückt – aber passiert ist nichts. Schauen wir mal, ob jetzt etwas passiert. Ja.
Ich denke, der Leitsatz, den ich heute mitgebracht habe – „Denken wir unsere Wärmeversorgung gemeinsam neu“ – ist die Botschaft, die ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte.
In meinem eigentlichen beruflichen Alltag – das wurde ja schon erwähnt – kümmere ich mich um das Thema Wärmewende bei der Stiebel-Eltron-Gruppe, im Wesentlichen in den Zielkundengruppen Immobilienwirtschaft und Energiewirtschaft.
Und dann gibt es noch einen neuen Verband: den Bundesverband Kalte Wärmenetze. Wie das mit der „kalten Wärme“ funktioniert und was dahinter steckt, darauf bin ich auch schon in der Pause angesprochen worden. Das möchte ich Ihnen in meinen Ausführungen gerne erklären.
Diesen Verband gibt es seit zwei Jahren. Er ist also noch relativ jung in Deutschland. Aber er hat im Wesentlichen etwas sehr Wichtiges mit der kommunalen Wärmeplanung zu tun. Wir haben ja schon von Herrn Grau gehört: Es könnte sein, dass es auch Gebiete gibt, die innerstädtisch eventuell mit leitungsgebundener Wärme versorgt werden müssen. Da spielen dann auch Wärmepumpen eine Rolle.
Und weil das so ist, versuchen wir eine Technologie, die es bislang in Deutschland nur in geringem Umfang gab, stärker in die Umsetzung zu bringen.
Sie sehen es auch auf der Folie: Wer ist damit verbunden? Im Grunde alle Schlüsselakteure, die im Zuge einer kommunalen Wärmeplanung beteiligt sind – Energieagenturen, Klimaschutzagenturen, Energieversorgungsunternehmen, Wohnungsunternehmen. Alle müssen sich Gedanken darüber machen, welche technische Lösung für die Umsetzung einer klimaneutralen Wärmeversorgung die richtige ist. Darum geht es letztlich.
Ich komme kurz zu meiner Agenda: Zunächst das Thema Wärmewende hier in der Region, dann die kommunale Wärmeplanung in der Praxis, anschließend wer wir als Verband sind und wer dort mitarbeitet. Außerdem der aktuelle Stand und die Bedeutung von kalten Wärmenetzen in Deutschland sowie Geschäftsmodelle und Praxisbeispiele.
Wie machen wir es mit Fragen? Wenn es Ihnen unter den Nägeln brennt, können Sie gerne jederzeit eine Zwischenfrage stellen – dann greifen wir das direkt auf.
Ich habe Ihnen hier eine Folie mitgebracht – eine Auswertung der dena. Sie zeigt den Stand der kommunalen Wärmeplanung. Man muss sich an dieser Stelle grundsätzlich fragen: Warum hat man das überhaupt so organisiert?
In den allermeisten Fällen – auch hier bei den Stadtwerken Velbert – gibt es natürlich schon eine klare Vision, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen soll. Trotzdem hat man eine Art Verzögerungsmechanismus eingebaut, um diese Planungen noch einmal durch qualifizierte Fachbüros analysieren und aufbereiten zu lassen.
Sie sehen: Es gibt zwei Stichtage. Der erste ist der 30. Juni 2026. Für größere Städte und Kommunen mit über 100.000 Einwohnern müssen die Wärmepläne bis Mitte nächsten Jahres vorliegen.
Velbert liegt mit etwas über 80.000 Einwohnern darunter. Dort gilt eigentlich die Frist bis 30. Juni 2028. Umso erfreulicher ist es, dass hier dank des Engagements der Stadtwerke schon früher begonnen wurde. Insgesamt sehen Sie: Überall in Deutschland wird derzeit intensiv an den Wärmeplänen gearbeitet.
Informationen dazu können Sie übrigens auch selbst abrufen. Die Kommunen veröffentlichen diese Daten zunehmend auf ihren Webseiten.
Ich habe auch einmal ein bisschen im Internet recherchiert: „Keine Fernwärme in Velbert“. Da wurde also schon einmal eine klare Aussage getroffen. Aber warum ist das so? Und was ist eigentlich Fernwärme?
Fernwärme versteht man am besten so: Irgendwo steht ein Kraftwerk – früher mit einem Schornstein, aus dem etwas herauskam – und von dort aus wird Wärme über isolierte Leitungen unterirdisch zu den Gebäuden transportiert.
Aktuell werden in Deutschland etwa 14 % der Gebäude mit Fernwärme versorgt. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, diesen Anteil bis 2044 auf etwa 33 % zu erhöhen – also ungefähr zu verdoppeln.
Das bedeutet: Leitungsgebundene Lösungen – dazu zählen auch kalte Wärmenetze – sollen künftig eine größere Rolle spielen.
In vielen Fällen – auch hier im Stadtgebiet – werden aber klassische Wärmepumpenlösungen weiterhin dominieren. Die Hersteller sind ja hier vertreten, Sie können sich dazu informieren. Ob außen aufgestellte oder innen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpen: Sie lassen sich sowohl im Einfamilienhaus als auch im Mehrfamilienhaus einsetzen.
Wenn man sich die Gebäudestruktur in Deutschland ansieht, sieht man auch: Der Anteil der Wärmepumpen wächst stark. Aktuell arbeiten etwa zwei Millionen Wärmepumpen in Deutschland. Bei rund 21 Millionen Wohngebäuden entspricht das ungefähr zehn Prozent.
Bei Sanierungen entscheiden sich inzwischen viele Eigentümer für eine Wärmepumpenlösung. Man könnte also sagen: Der Plan des ehemaligen Wirtschaftsministers geht zumindest teilweise auf.
Im Grunde stehen zwei Technologien im Fokus: Fernwärme und elektrische Wärmepumpen. Und bei der Fernwärme gibt es eben auch eine alternative Technologie – die kalten Wärmenetze.
Ich gehe kurz auf den aktuellen Stand dieser Technologie ein: Mein erstes kaltes Wärmenetz in Deutschland habe ich 2010 gebaut. Zwischen 2010 und 2022 sind in Deutschland etwa 50 solcher Netze entstanden – relativ wenig.
Seit 2022 gibt es jedoch rund 350 Projekte in Planung oder Bau. Man sieht also: Hier entsteht eine enorme Dynamik.
Bisher kamen kalte Wärmenetze vor allem in Neubaugebieten zum Einsatz. Wenn beispielsweise am Stadtrand ein neues Wohngebiet entsteht, legen die Stadtwerke heute meist keine Gasleitung mehr. Stattdessen werden Strom, Wasser, Datenleitungen und gegebenenfalls eine Infrastruktur für ein kaltes Wärmenetz verlegt.
In einem solchen Netz zirkuliert Wasser mit ungefähr dem Temperaturniveau des Erdreichs. Das bringt einen großen Vorteil: Wärme kann aus Gebäuden aufgenommen und im Erdreich gespeichert werden.
Im Sommer wird das Erdreich durch überschüssige Wärme aufgeladen, im Winter kann diese Wärme wieder genutzt werden. Man spricht hier von einem saisonalen Speicher.
Zusätzlich lassen sich viele Energiequellen einbinden: Solarthermie, PVT-Module, industrielle Abwärme, Biogasanlagen, Grundwasser, Abwasser oder Gewässer. Auch geothermische Systeme wie Erdsonden oder Erdkollektoren sind möglich.
Damit können solche Systeme vollständig erneuerbar betrieben werden – insbesondere wenn der Strom für die Wärmepumpen ebenfalls aus erneuerbaren Energien stammt.
Unser Verband hat sich am 13. Oktober auf dem EUREF-Campus in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Inzwischen beteiligen sich zahlreiche Unternehmen – von Planungsbüros über Stadtwerke bis hin zu Herstellern.
Der Grund für die Gründung war einfach: Das Thema kalte Wärmenetze wurde in bestehenden Verbänden bisher nur am Rande behandelt.
Der Bundesverband Wärmepumpe beschäftigt sich vor allem mit dem Gebäudeenergiegesetz, der Verband der Wärmelieferung mit der Wärmelieferverordnung. Für kalte Wärmenetze fehlte bisher eine eigene Interessenvertretung.
Heute merken wir: Das Interesse wächst stark. Immer mehr Institutionen und Organisationen beschäftigen sich mit dieser Technologie.
Ich möchte noch ein Praxisbeispiel zeigen. Angenommen, die Stadtwerke stellen fest, dass ein Innenstadtgebiet sehr dicht bebaut ist und sich für eine leitungsgebundene Lösung eignet. Dann kann ein kaltes Wärmenetz dort eine gute Option sein.
Die Leitungen können sogar grabenlos verlegt werden – mithilfe spezieller Bohrverfahren. Das reduziert Bauaufwand und Eingriffe im Straßenraum.
Der Energieversorger liefert dann Energie an einen Übergabepunkt im Gebäude. Dort steht eine Wärmepumpe, die die Wärme auf das benötigte Temperaturniveau bringt.
Ein Vorteil: Die Wärmepumpe steht im Gebäude – meist im Keller oder Hauswirtschaftsraum. Es gibt also keine Außengeräte und damit auch keine Geräuschemissionen im Außenbereich.
Ich komme langsam zum Ende. Die Technik existiert seit vielen Jahren und funktioniert zuverlässig. Es gibt umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Monitoringprogramme, die zeigen, unter welchen Bedingungen sich solche Systeme wirtschaftlich betreiben lassen.
Wenn Sie Interesse haben, finden Sie auf der Website des Bundesverbandes Kalte Wärmenetze weitere Informationen. Wir stehen natürlich auch den Stadtwerken Velbert und anderen Kommunen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich freue mich jetzt auf Ihre Fragen. Und wenn später noch Gesprächsbedarf besteht: Ich bin den ganzen Tag eine Etage tiefer am Stand von Stiebel Eltron und vom Bundesverband zu finden.
Moderator: Herr Göbel, ganz herzlichen Dank. Gibt es Fragen aus dem Publikum?
Publikum: Kann man ein bestehendes Fernwärmenetz in ein kaltes Wärmenetz umwandeln?
Matthias Göbel: Das ist eine sehr gute Frage. Am Endpunkt eines Fernwärmenetzes hat der Rücklauf der Fernwärme oft noch Temperaturen von 40 bis 60 Grad. Es gibt bereits Technologien, bei denen solche Bereiche mit kalten Wärmenetzen weiter erschlossen werden.
Der Vorteil ist, dass man keine teuren, stark isolierten Leitungen mehr braucht. Allerdings verliert man einen Vorteil: Die Nutzung des Erdreichs als saisonalen Energiespeicher ist dann eingeschränkt.
Aber grundsätzlich: Ja, bestehende Fernwärmenetze können erweitert oder teilweise umgestellt werden.
Moderator: Vielen Dank. Gibt es noch eine Frage?
Publikum: Sie haben gesagt, ein Vorteil ist, dass man keine Außengeräte braucht. Aber wie sieht es wirtschaftlich aus im Vergleich zu einer klassischen Wärmepumpe?
Matthias Göbel: Insgesamt sind die Investitionen meist etwas höher, weil zunächst das Leitungsnetz gebaut werden muss. Wenn jedoch genügend Gebäude angeschlossen werden, kann sich das wirtschaftlich gut darstellen. Für Stadtwerke ist das durchaus ein tragfähiges Geschäftsmodell.
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Ich freue mich, dass wir heute unseren Impulsvortrags-Bereich eröffnen – mit einem Vortrag des Bundesverbandes Kalte Wärmenetze. Dafür ist Herr Göbel hier bei uns und ich freue mich, ihm jetzt das Mikrofon überreichen zu können. Er wird noch einmal ein Stück weit in Richtung Wärmeplanung und CO₂ schauen und das Thema aus dieser Perspektive beleuchten.
Matthias Göbel: Ja, vielen Dank, Herr Berghaus. Vorgestellt bin ich ja schon worden. Ich freue mich natürlich, hier ein paar allgemeine Informationen geben zu können. Und ich muss sagen: toll, auch die große Resonanz. Ich stehe tatsächlich bundesweit auf entsprechenden Bühnen – und da ist es nicht immer so. Deswegen erst einmal ein herzliches Dankeschön.
So, einmal habe ich schon weitergedrückt – aber passiert ist nichts. Schauen wir mal, ob jetzt etwas passiert. Ja.
Ich denke, der Leitsatz, den ich heute mitgebracht habe – „Denken wir unsere Wärmeversorgung gemeinsam neu“ – ist die Botschaft, die ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte.
In meinem eigentlichen beruflichen Alltag – das wurde ja schon erwähnt – kümmere ich mich um das Thema Wärmewende bei der Stiebel-Eltron-Gruppe, im Wesentlichen in den Zielkundengruppen Immobilienwirtschaft und Energiewirtschaft.
Und dann gibt es noch einen neuen Verband: den Bundesverband Kalte Wärmenetze. Wie das mit der „kalten Wärme“ funktioniert und was dahinter steckt, darauf bin ich auch schon in der Pause angesprochen worden. Das möchte ich Ihnen in meinen Ausführungen gerne erklären.
Diesen Verband gibt es seit zwei Jahren. Er ist also noch relativ jung in Deutschland. Aber er hat im Wesentlichen etwas sehr Wichtiges mit der kommunalen Wärmeplanung zu tun. Wir haben ja schon von Herrn Grau gehört: Es könnte sein, dass es auch Gebiete gibt, die innerstädtisch eventuell mit leitungsgebundener Wärme versorgt werden müssen. Da spielen dann auch Wärmepumpen eine Rolle.
Und weil das so ist, versuchen wir eine Technologie, die es bislang in Deutschland nur in geringem Umfang gab, stärker in die Umsetzung zu bringen.
Sie sehen es auch auf der Folie: Wer ist damit verbunden? Im Grunde alle Schlüsselakteure, die im Zuge einer kommunalen Wärmeplanung beteiligt sind – Energieagenturen, Klimaschutzagenturen, Energieversorgungsunternehmen, Wohnungsunternehmen. Alle müssen sich Gedanken darüber machen, welche technische Lösung für die Umsetzung einer klimaneutralen Wärmeversorgung die richtige ist. Darum geht es letztlich.
Ich komme kurz zu meiner Agenda: Zunächst das Thema Wärmewende hier in der Region, dann die kommunale Wärmeplanung in der Praxis, anschließend wer wir als Verband sind und wer dort mitarbeitet. Außerdem der aktuelle Stand und die Bedeutung von kalten Wärmenetzen in Deutschland sowie Geschäftsmodelle und Praxisbeispiele.
Wie machen wir es mit Fragen? Wenn es Ihnen unter den Nägeln brennt, können Sie gerne jederzeit eine Zwischenfrage stellen – dann greifen wir das direkt auf.
Ich habe Ihnen hier eine Folie mitgebracht – eine Auswertung der dena. Sie zeigt den Stand der kommunalen Wärmeplanung. Man muss sich an dieser Stelle grundsätzlich fragen: Warum hat man das überhaupt so organisiert?
In den allermeisten Fällen – auch hier bei den Stadtwerken Velbert – gibt es natürlich schon eine klare Vision, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen soll. Trotzdem hat man eine Art Verzögerungsmechanismus eingebaut, um diese Planungen noch einmal durch qualifizierte Fachbüros analysieren und aufbereiten zu lassen.
Sie sehen: Es gibt zwei Stichtage. Der erste ist der 30. Juni 2026. Für größere Städte und Kommunen mit über 100.000 Einwohnern müssen die Wärmepläne bis Mitte nächsten Jahres vorliegen.
Velbert liegt mit etwas über 80.000 Einwohnern darunter. Dort gilt eigentlich die Frist bis 30. Juni 2028. Umso erfreulicher ist es, dass hier dank des Engagements der Stadtwerke schon früher begonnen wurde. Insgesamt sehen Sie: Überall in Deutschland wird derzeit intensiv an den Wärmeplänen gearbeitet.
Informationen dazu können Sie übrigens auch selbst abrufen. Die Kommunen veröffentlichen diese Daten zunehmend auf ihren Webseiten.
Ich habe auch einmal ein bisschen im Internet recherchiert: „Keine Fernwärme in Velbert“. Da wurde also schon einmal eine klare Aussage getroffen. Aber warum ist das so? Und was ist eigentlich Fernwärme?
Fernwärme versteht man am besten so: Irgendwo steht ein Kraftwerk – früher mit einem Schornstein, aus dem etwas herauskam – und von dort aus wird Wärme über isolierte Leitungen unterirdisch zu den Gebäuden transportiert.
Aktuell werden in Deutschland etwa 14 % der Gebäude mit Fernwärme versorgt. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, diesen Anteil bis 2044 auf etwa 33 % zu erhöhen – also ungefähr zu verdoppeln.
Das bedeutet: Leitungsgebundene Lösungen – dazu zählen auch kalte Wärmenetze – sollen künftig eine größere Rolle spielen.
In vielen Fällen – auch hier im Stadtgebiet – werden aber klassische Wärmepumpenlösungen weiterhin dominieren. Die Hersteller sind ja hier vertreten, Sie können sich dazu informieren. Ob außen aufgestellte oder innen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpen: Sie lassen sich sowohl im Einfamilienhaus als auch im Mehrfamilienhaus einsetzen.
Wenn man sich die Gebäudestruktur in Deutschland ansieht, sieht man auch: Der Anteil der Wärmepumpen wächst stark. Aktuell arbeiten etwa zwei Millionen Wärmepumpen in Deutschland. Bei rund 21 Millionen Wohngebäuden entspricht das ungefähr zehn Prozent.
Bei Sanierungen entscheiden sich inzwischen viele Eigentümer für eine Wärmepumpenlösung. Man könnte also sagen: Der Plan des ehemaligen Wirtschaftsministers geht zumindest teilweise auf.
Im Grunde stehen zwei Technologien im Fokus: Fernwärme und elektrische Wärmepumpen. Und bei der Fernwärme gibt es eben auch eine alternative Technologie – die kalten Wärmenetze.
Ich gehe kurz auf den aktuellen Stand dieser Technologie ein: Mein erstes kaltes Wärmenetz in Deutschland habe ich 2010 gebaut. Zwischen 2010 und 2022 sind in Deutschland etwa 50 solcher Netze entstanden – relativ wenig.
Seit 2022 gibt es jedoch rund 350 Projekte in Planung oder Bau. Man sieht also: Hier entsteht eine enorme Dynamik.
Bisher kamen kalte Wärmenetze vor allem in Neubaugebieten zum Einsatz. Wenn beispielsweise am Stadtrand ein neues Wohngebiet entsteht, legen die Stadtwerke heute meist keine Gasleitung mehr. Stattdessen werden Strom, Wasser, Datenleitungen und gegebenenfalls eine Infrastruktur für ein kaltes Wärmenetz verlegt.
In einem solchen Netz zirkuliert Wasser mit ungefähr dem Temperaturniveau des Erdreichs. Das bringt einen großen Vorteil: Wärme kann aus Gebäuden aufgenommen und im Erdreich gespeichert werden.
Im Sommer wird das Erdreich durch überschüssige Wärme aufgeladen, im Winter kann diese Wärme wieder genutzt werden. Man spricht hier von einem saisonalen Speicher.
Zusätzlich lassen sich viele Energiequellen einbinden: Solarthermie, PVT-Module, industrielle Abwärme, Biogasanlagen, Grundwasser, Abwasser oder Gewässer. Auch geothermische Systeme wie Erdsonden oder Erdkollektoren sind möglich.
Damit können solche Systeme vollständig erneuerbar betrieben werden – insbesondere wenn der Strom für die Wärmepumpen ebenfalls aus erneuerbaren Energien stammt.
Unser Verband hat sich am 13. Oktober auf dem EUREF-Campus in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Inzwischen beteiligen sich zahlreiche Unternehmen – von Planungsbüros über Stadtwerke bis hin zu Herstellern.
Der Grund für die Gründung war einfach: Das Thema kalte Wärmenetze wurde in bestehenden Verbänden bisher nur am Rande behandelt.
Der Bundesverband Wärmepumpe beschäftigt sich vor allem mit dem Gebäudeenergiegesetz, der Verband der Wärmelieferung mit der Wärmelieferverordnung. Für kalte Wärmenetze fehlte bisher eine eigene Interessenvertretung.
Heute merken wir: Das Interesse wächst stark. Immer mehr Institutionen und Organisationen beschäftigen sich mit dieser Technologie.
Ich möchte noch ein Praxisbeispiel zeigen. Angenommen, die Stadtwerke stellen fest, dass ein Innenstadtgebiet sehr dicht bebaut ist und sich für eine leitungsgebundene Lösung eignet. Dann kann ein kaltes Wärmenetz dort eine gute Option sein.
Die Leitungen können sogar grabenlos verlegt werden – mithilfe spezieller Bohrverfahren. Das reduziert Bauaufwand und Eingriffe im Straßenraum.
Der Energieversorger liefert dann Energie an einen Übergabepunkt im Gebäude. Dort steht eine Wärmepumpe, die die Wärme auf das benötigte Temperaturniveau bringt.
Ein Vorteil: Die Wärmepumpe steht im Gebäude – meist im Keller oder Hauswirtschaftsraum. Es gibt also keine Außengeräte und damit auch keine Geräuschemissionen im Außenbereich.
Ich komme langsam zum Ende. Die Technik existiert seit vielen Jahren und funktioniert zuverlässig. Es gibt umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Monitoringprogramme, die zeigen, unter welchen Bedingungen sich solche Systeme wirtschaftlich betreiben lassen.
Wenn Sie Interesse haben, finden Sie auf der Website des Bundesverbandes Kalte Wärmenetze weitere Informationen. Wir stehen natürlich auch den Stadtwerken Velbert und anderen Kommunen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich freue mich jetzt auf Ihre Fragen. Und wenn später noch Gesprächsbedarf besteht: Ich bin den ganzen Tag eine Etage tiefer am Stand von Stiebel Eltron und vom Bundesverband zu finden.
Moderator: Herr Göbel, ganz herzlichen Dank. Gibt es Fragen aus dem Publikum?
Publikum: Kann man ein bestehendes Fernwärmenetz in ein kaltes Wärmenetz umwandeln?
Matthias Göbel: Das ist eine sehr gute Frage. Am Endpunkt eines Fernwärmenetzes hat der Rücklauf der Fernwärme oft noch Temperaturen von 40 bis 60 Grad. Es gibt bereits Technologien, bei denen solche Bereiche mit kalten Wärmenetzen weiter erschlossen werden.
Der Vorteil ist, dass man keine teuren, stark isolierten Leitungen mehr braucht. Allerdings verliert man einen Vorteil: Die Nutzung des Erdreichs als saisonalen Energiespeicher ist dann eingeschränkt.
Aber grundsätzlich: Ja, bestehende Fernwärmenetze können erweitert oder teilweise umgestellt werden.
Moderator: Vielen Dank. Gibt es noch eine Frage?
Publikum: Sie haben gesagt, ein Vorteil ist, dass man keine Außengeräte braucht. Aber wie sieht es wirtschaftlich aus im Vergleich zu einer klassischen Wärmepumpe?
Matthias Göbel: Insgesamt sind die Investitionen meist etwas höher, weil zunächst das Leitungsnetz gebaut werden muss. Wenn jedoch genügend Gebäude angeschlossen werden, kann sich das wirtschaftlich gut darstellen. Für Stadtwerke ist das durchaus ein tragfähiges Geschäftsmodell.
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